22.03.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Ärztlich willkommen!

Es ist jetzt auch schon wieder locker zehn Jährchen her, als mir Comedian Alex Kristan und Humor-Botschafter Roman F. Szeliga diesen meinen Kolumnentitel als Kabarettprogramm vorweggenommen haben. Aus heutiger Sicht jedoch unter völlig anderen Voraussetzungen.

Damals gingen die beiden Protagonisten davon aus, dass sich Humor nicht nur prophylaktisch sehr positiv auf unser aller Gesundheit auswirkt, sondern auch, dass man durch Lachen sogar Krankheiten heilen könne. Deswegen liebt man auch die CliniClowns und all ihre Splittergruppen. Womit wir auch schon mitten drin wären in der aktuellen Pandemie und den trotz Lockdowns stetig steigenden Inzidenz- und Intizierungszahlen.

Ich weiß jetzt nicht,,ob Sie es wissen, aber ich weiß, dass vielen schwarzen Wirtsschafen – vor allem am Land und da besonders in Heurigengegenden – der Begriff Lockdown nur ein müdes Lächeln wert ist. Die haben sehr wohl offen. Nicht nur für abholende Kundschaft und für Lieferdienste. Selbstverständlich steht vorne am Eingang das Schild „Leider lockdownbedingt bis auf weiteres geschlossen. Bei Abholung von Speisen bitte zweimal Klingeln! Gilt auch für den Postmann.“

Das Hintertürl jedoch, das Hintertürl beziehungsweise jenes in die diversen Keller steht sperrangelweit offen. Klar, dass sich sowas schnell herumspricht und – flugs – sind die von vorne nicht einsichtigen Räumlichkeiten stets blitzschnell mit ess- und trinkfreudigen Gästen gefüllt. Ebenfalls klar ist, dass sich das irgendwann auch bis zur Polizei durchspricht. Aber wie es halt so ist am Land, privat kennen sie zwar jedes einzelne Wirtshaushintertürl, im Dienst fahren sie routinemäßig geflissentlich am Haupteingang vorbei und protokollieren routinemäßig „alles geschlossen, alles ruhig, alles vorbildlich.“

Ihr spontaner Einwand, liebe Leser, an dieser Stelle, ist vorprogrammiert: Geh bitte, das ist nicht nur am Land so, sondern in der Stadt genau so. Selber schuld, wer wirklich geschlossen hält, und Pech gehabt, wer hintertürlmäßig irgendwie ins Hintertreffen gelangt ist. Und überhaupt, was hat das mit dem heute wie seinerzeit gültigen Titel zu tun?

Den seinerzeitigen habe ich Ihnen ja bereits erklärt, aber den aktuellen, den finde ich in Zusammenhang mit der Pandemie und der offiziell geschlossenen Gastronomie wesentlich spannender. Nicht zuletzt deswegen, weil sich dank der Hintertürln ja jetzt wieder die Ansteckungen und in Folge die Fälle für die Covid-Intensivbetten häufen. Womit unsere Wirte gemeinsam mit ihren unvernünftigen Gästen quasi unaufhörlich dafür sorgen, dass unseren Ärzten nicht fad wird. Und dem Pflegepersonal. Und den Intensivbettenlogistikern. Und den Bestattern.

Ja, vielleicht könnte man all das sogar so gefinkelt timen, dass man dann, wenn die Gastro auch offiziell wieder aufsperren darf, allerorts mit einem kollektiven Leichenschmaus beginnt. Sozusagen als kulinarische Zusammenfassung der letzten Monate. Von den Balkonen legt sich wieder Musik übers Land und genau wie vor einem Jahr applaudieren wir dazu. Was sich heute aber irgendwie wie eine misslungene Parodie anhört. 

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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