31.05.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Auf Aufholjagd

Na bumm, jetzt gibt er ordentlich Gas, der Herr Bundeskanzleirat. Ob ihn jetzt der Witzewerner oder der Gesundheitswolfi überzeugt haben, dass jetzt endlich Schluss sein muss mit der seit Monaten andauernden Gastro-, Kultur-, Sport- und Feierblockade, ist einerlei, ab sofort scheint eine ihresgleichen suchende Aufholjagd zu gelten, damit wir dann alle dasitzen können im Herbst und sagen, ja, es war heuer wirklich ein Sommer wie damals.

Um jedoch der Gastro wirklich die bis dato verlorenen Umsätze wieder zu beschaffen, darf es jedoch nicht beim großspurig angekündigten Fall der Sperrstunden, Abstandsregeln und Maskenpflicht bleiben, da gehören andere, radikalere Geschütze aufgefahren. So müssen alle Lokale rund um die Uhr offen halten, was mehr Arbeitsplätze mit sich bringt und aber auch eine bessere Auslastung ohne Stoßzeiten, da die Gäste nach einem feinen und gefinkelten Algorhythmus über den ganzen Tag verteilt werden.

Wichtig ist, dass jeder Tisch mit 16 Personen ausgelastet wird, egal wie groß oder klein er auch sein mag. Erwachsene selbstverständlich, weil Kinder und Hunde kriegen ihr eigens eingerichtetes Spielplatzerl einen Stock tiefer. Und die Gäste müssen allesamt Speis UND Trank konsumieren, was zwar vorübergehend Einbrüche bei den Handelsumsätzen bewirkt, sich aber schnell wieder relativieren wird. Ein paar Kilo zuviel hat noch nie jemanden geschadet, vor allem jetzt nach dieser langen, entbehrungsreichen Pandemiezeit.

Was der heimischen Gastro sicher auch sehr entgegenkommen wird, ist die Tatsache, dass viele Österreicher trotz guter, zum Teil jedoch notgedrungener Vorsätze, gemerkt haben, dass sie des Kochens aber schon überhaupt nicht mächtig sind und so die Achtung und der Respekt vor jenen signifikant angestiegen ist, die tagtäglich in ihren Profiküchen ihren kochberuflichen Alltag leben.

„Auf zum Wirten!“ muss also von der reinen Aufforderung zwecks Einnahme des einen oder anderen Bierchens einen Ortswechsel vorzunehmen, zu einem sinnesfreudigen Event bei Kulinarikprofis dem Leben zusätzliche Genussmomente abzuringen, avancieren.

Und weil wir grad so schön mitten in der titelgebenden Aufholjagd sind – auch alle abgesagten Hochzeiten müssen ehebaldigst nachgeholt werden, da muss man sich halt gegebenenfalls wieder zusammenraufen und die Umsätze von Eheberatern & Co ankurbeln. Festvals müssen unbedingt wieder riesig und spektakulär werden und woodstockartig im Schlamm und in Müllbergen versinken. Kabarett- und Theaterbühnen müssen wieder dem Ausverkaufsschild frönen dürfen und die Künstler von den Brettern, die die Welt bedeuten, auf Menschen hinunterblicken, die maskenlos mit breitem Grinser oder erstaunten Gesichtern dicht an dicht sitzen und sich wieder hemmungslos gegenseitig auf die Oberschenkel klopfen.

Bleiben eigentlich nur mehr die unzähligen Sportstätten, Stadien und Hallen, die es ebenfalls zu füllen gilt. Vermummen brauchen sich nur mehr die Rapid-Ultras, alle anderen sind dann auch wieder zur Videoüberwachung freigegeben. Und zum ultimativen Würstelessen. Denn auch diese Art der Verpflegung ist ein wichtiger Teil unserer heimischen Gastrokultur. Es wäre doch gelacht, wenn wir diese einmalige Aufholjagd mit all den erwähnten Maßnahmen nicht stemmen würden. Ja, wir schaffen das. Koste es was es wolle. Und: Doch, wir sind so.

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