29.03.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Aufwachen!

Na servas, mit meiner vorwöchigen Kolumne habe ich ganz schön tief gleich in mehrere Wespennester hineingestochen ...

Etliche mir bestens bekannte Gastronomen haben mich privat angerufen respektive angemailt und mir ohne sichtbarem Augenzwinkern beteuert, dass sie selbst ihre Betriebe eh brav geschlossen hielten und nicht einmal ein Hintertürl zum illegalen Öffnen hätten. Aber sie würden einige Kollegen kennen, die, so wie ich beschrieben habe, sehr wohl Gäste in ihren Gastgärten, Kellern oder gut versteckten Nebenräumen empfangen würden (Anm.: hier geht‘s zum letztwöchigen Willys Gastro-Wochenrückblick).

Manche wollen sogar von jenen ganz Gefinkelten wissen, die Abholung und Lieferdienste anbieten und dann die telefonisch bestellten Speisen in den eigenen Garten liefern. Andere wiederum meinten, dass ich ein Nestbeschmutzer sei, weil all das zwar ohnehin jedem bekannt sei, man aber bitte nicht darüber berichten solle, weil vernadern tue man nicht.

Ein Tabuthema also. Was mich persönlich überhaupt nicht wundert, denn zum einen werden diese zum Teil – und man muß es leider so sagen – völlig vertrottelten Regierungsmaßnahmen den Menschen zusehends wurschter und zum anderen gehts bei den Gastronomen ums nackte Überleben. Hätte nämlich die Regierung bereits vor einem halben Jahr auf die richtigen Experten gehört, wäre die Gastronomie heute bereits Teil der Lösung. Denn wie der Herbst gezeigt hat, haben die Gastrokonzepte sehr wohl gegriffen, was im übrigen auch für den Kulturbereich gilt.

Aber mit dem rigorosen Zusperren der wichtigsten Stätten zwischenmenschlicher Kommunikation trieb man das Volk automatisch in den privaten oder eben den illegalen Bereich und machte die Menschen so zu Superspreader. Somit sind die momentan so hohen Inzidenz-, Infektions- und Intensivstationsbelegungszahlen nichts anderes als ein Resultat der – Achtung: Unterstellung! – sicher gut gemeinten, aber dennoch falsch gesetzten Maßnahmen. Und wie wenig die Herren Anschober und Kurz momentan im Griff haben, zeigt ein Blick in die Medien. Bilder von vollbesetzten, aber offiziell nicht geöffneten Schanigärten, vom angeblich streng kontrollierte, aber dennoch beinahe überfüllten Donaukanal, von Picknickrunden in den Parks sowie feuchtfröhlichen Grillrunden sprechen eine deutliche Sprache.

Die einzige Lösung, die ich sehe, ist eine intelligente Doppelstrategie: Einerseits eine schnelle Durchimpfung aller (!) Menschen und andererseits eine sofortige Öffnung der Gastronomie und der Kulturbetriebe. Selbstverständlich mit individuellen Sicherheitskonzepten, Disziplin und Menschenverstand. Das große und somit entscheidende Problem dabei: Kurz & Co können das alles irgendwie nicht. Ob da die Zeitumstellung als Weckruf Wunder bewirkt? Man darf berechtigt zweifeln.

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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