10.05.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Damals im Wirtshaus

Ich weiß jetzt nicht, ob Sie sich noch erinnern können, aber ich kann mich an Zeiten erinnern, da sind wir oft ganz spontan zu unserem Lieblingswirten gegangen, haben uns einfach wo dazu gesetzt und uns ein Bier, ein Vierterl Rot oder einen Almdudler gespritzt bestellt ...

... Kellnerin Anni war uns nicht nur figurell und stimmlich bestens geläufig, sondern auch gesichtskonturell, und viele der anderen Gäste waren Freunde, Bekannte oder mit uns gar verwandt. Wir schmausten Menüs oder à la carte, plauderten, scherzten, lachten, umarmten uns und genossen jede Minute, die wir in unserem Lieblingswirtshaus verbringen durften. Wir zahlten und gingen wann wir wollten und verabschiedeten uns mit einem flügerlleichten „Pfiat Eich“ und „Auf Wiedersehen“.

Wenn wir ab 19. Mai 2021 zu unserem Lieblingswirten wollen, müssen wir zuerst einmal hoffen, dass es ihn nach monatelangem Lockdown überhaupt noch gibt. Wenn ja, dann müssen wir uns anmelden, weil die beiden nunmehr nur erlaubten Tische werden schnell vergeben sein. Am besten für den nächsten oder übernächsten Tag, denn einen, maximal zwei Tage vorher brauchen wir einen PCR- oder einen Antigentesttermin. Sind wir ergebnismäßig negativ drauf, dürfen wir den Ausdruck davon nicht vergessen, wenn wir dann unseren Termin bei unserem Lieblingswirten wahren.

Dort werden diese eintrittskartenähnlich vom extra dafür abgestellten Türlsteherwauwau begutachtet, uns allen Vieren, weil zu mehrat dürfen wir ja nicht hinein, die Stirntemperatur gemessen und – selbstverständlich mit FFP2-Maske – an den uns zugewiesenen Tisch irgendwo im letzten Eck des Raumes, jedenfalls weit weg von den anderen Gästen am anderen Tisch, geleitet. Kaum sitzend müssen wir die Registrierungsblätter mit unseren Namen und Kontaktdaten ausfüllen. Erst jetzt dürfen wir unter der Maskenpflicht kurz durchrutschen, bis zum Klogang halt.

Zugenommen hat sie, die Anni, unsere Lieblingskellnerin, das erkannten wir sofort, hatten wir sie doch hinter der schwarzen Maske mit dem aufgemalten und ein Lächeln darstellen sollendes Zähnefletschen gar nicht erkannt, zumal sie ja auch eine ganz andere Frisur trägt als seinerzeit. Dass sie auch nicht mehr Anni hieß, sollten wir erst beim Dessert schnallen. Ja, es hat sich allerhand verändert in pandemischen Zeiten wie diesen. Und irgendwie ist dabei der Spaß und die Freude verlustig gegangen. Bei unserem Lieblingswirten genauso wie bei Anni, oder wie sie jetzt heißt, und auch bei uns Gästen. Und wenn wir dann um 22 Uhr quasi rausgeworfen werden, kommt das übliche „Auf Wiedersehen“ doch irgendwie sehr schwer über die Lippen.

Ach ja, in manchen Hinterzimmern werden bereits Wetten abgehalten, wie lange diese für alle Beteiligten unzumutbare Situation noch halbwegs konfliktfrei bleiben wird. Denn langsam aber sicher bekommt auch in einem hyperphlegmatischen Land wie Österreich der Begriff Widerstand eine völlig neue Dimension. Ein generelles Lokalverbot für Regierungspolitiker wäre da sehr wohl ein angemessener Beginn.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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