21.09.2020

Willys Gastro-Wochenrückblick: Der Virus schaut auf die Uhr

Die Regierung hat in der verwichenen Woche gleich mehrmals zugeschlagen. Aber nicht mit klaren Aussagen, sondern mit feinen, nicht zu kleinen Widersprüchen ...

Da bedarf es dringend klarer Worte: Um nun dieser leidigen Coronaampel den Nymbus der Totalverwirrung zu nehmen, reicht es nicht, dass sie quasi jeder maßnahmenbezogen interpretieren soll wie er meint und die Regierung overruled dann sowieso alles. Nein, da bedarf es ganz anderer Ideen. Zum Beispiel der, dass nach den Schulen und Universitäten auch jedes Restaurant, jedes Hotel und jede Berghütte eine eigene, ganz persönliche Ampel bekommt.

Am Eingang aufgestellt, signalisieren die jeweiligen Farben Grün, Gelb, Orange und Rot jedem einzelnen Eintrittswilligen ob er rein darf oder nicht. Wenn ja, ob mit Maske oder nicht, und in Folge, ob mit Begleitung oder nicht. Ob der Dresscode passt, die Frisur sitzt, und wenn man wankt, ob es zum Image des Lokals passt, wenn bereits beim Eintritt die Promille gegen zwei oder mehr tendieren.

In jedem Fall gilt die Registrierungspflicht, also die Angabe von Name, Geburtsdatum, Adresse, beschäftigt bei, Schuh- und Körbchengröße, sexuelle Vorlieben sowie etwaige Allergien und Unverträglichkeiten. Ganz wichtig: Wen kann man anrufen, wenn Sie unterm Tisch liegen und auf Zuruf nicht mehr reagieren?

Des weiteren: Gruppen über zehn Personen werden sowieso aufgeteilt, gemeinsame Feiern mögen bitte zeitlch getrennt und wenn geht gar nicht oder daheim stattfinden, was ja dann nimmer kontrollierbar ist. Sollte man jedoch dennoch eine größere Gruppe sein und partout nicht daheim feiern wollen, so kann man ja so tun, als ob man sich nicht kennen würde und sich erst vor Ort zufällig begegnen.

Etwas schwieriger wird es mit der Sperrstunde, weil ja auch das Virus permanent auf die Uhr schaut und sich sagt: „So, ans iss, jetzt schlog i zua.“ Mein Tipp: Stoppen Sie alle Uhren im Lokal so um dreiviertel Eins, das verwirrt Viren völlig. Und halten Sie Ihre Gäste an der Bar an, so zu tun als ob sie eh brav sitzen würden beim Snacken, weil ja bekanntlich Corona nur die Stehenden befällt.

Und noch etwas: Maskenbefreiungen kann man im Internet kaufen, was ja durchaus auch zu einer Geschäftsidee für Gastronomen und Hoteliers mutieren könnte, gilt es doch ohnehin adäquate Ersatzgäste aufgrund der diversen Reisewarnungen zu finden. Wobei, wenn wir schon mitten drin sind in der Desruption, machen Sie sich keine Sorgen wegen der zuhauf abgesagten Bälle im kommenden Fasching, veranstalten Sie Einzelmaskenbälle, engagieren Sie anstatt der vorgesehenen Band einen DJ und händigen Sie Ihrem Gast einen Kopfhörer aus, auf dass auch akustisch nichts nach außen dringt.

Vielleicht ist das Silent Single Restaurant mit Masked Gourmets überhaupt der Weg in die gastrosophische Zukunft! Lockdown und Kurzbotschaften hin oder her.

Von Willy Zwerger
Willy Zwerger, renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
Sagen Sie uns Ihre Meinung unter: redaktion(at)hotelundtouristik.at

 

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