07.12.2020

Willys Gastro-Wochenrückblick: Ein Experiment

Über das Rauchverbot, vife Hoteliers, die hohe Wissenschaft und Ideen für eine erfolgreiche Wintersaison.

Können Sie sich noch an die Zeit der Einführung des Rauchverbots in Lokalen erinnern? Jetzt einmal abgesehen davon, dass der seinerzeitige Zwei-Stufen-Plan zu ziemlich einschneidenden Investitionen führte, da man sich ja in Schritt Eins bis zu einer gewissen Größe entscheiden musste, fortan entweder als Nichtraucher- oder als Raucherlokal sein Dasein zu fristen. Nur die etwas größeren Restaurants durften beides sein –mit extra abgeschottetem Raucherteil samt Einhaltung kurioser Auflagen, dass zum Beispiel der Weg zur Toilette nicht durch diesen Bereich führen durfte und dass Kellnerlehrlinge keine Raucher bedienen durften.

Dann kam Schritt Zwei, das totale Rauchverbot. Was auffiel war, dass sich einige findige Wirten allerhand einfallen ließen, um das aufoktroyierte Nichtqualmen zu umgehen. So gründeten die einen einen Verein und erklärten ihr Lokal zum Vereinslokal, denn diese galten als privat und der private Bereich war ja von den Bestimmungen ausgenommen. Wieder andere deklarierten ihr Lokal zum Theatersaal und sämtliche Gäste zu Schauspielern. Man gab das Endlosstück „Szenen in einem Lokal vor dem Rauchverbot“.

Zeitsprung. Nun sind wir mitten im coronabedingten Lockdown, die gesamte Gastro hat bis auf Abholung und Zustellung von Speisen geschlossen, die Hotellerie ist überhaupt bummzu. Doch nein, nicht alle, denn in Vorarlberg hat ein vifer Hotelier einen wissenschaftlichen Verein gegründet, der seine potenziellen Gäste dazu aufruft, gemeinsam mit ihm an einem wissenschaftlichen Projekt zu arbeiten. Für einen relativ geringen Mitgliedsbeitrag kann man mit dabei sein und somit maßgeblich dazu beitragen, herauszufinden, welche Auswirkungen das Tragen von Masken sowie das Einhalten von Abständen in Form von Babyelefanten im Gegensatz dazu hat, wenn man auf beides verzichtet. Und zwar indoor genau so wie outdoor. Somit kann der gute Mann sein Hotel nicht nur aufgesperrt lassen und ausbuchen, sondern seine Gästeschar auf Maske und Abstand verzichten. Da die Gruppen untereinander tauschen, ist jeder irgendwann ganz offiziell maskenbefreit.

So fein, so gut. Um nun auch den Wintersporthotels generell neue Perspektiven zu geben, könnte man ja die Begriffe Abholung und Lieferung ein bisserl dehnen. Zum einen anwenderseitig in Richtung Hotellerie sowie Skihütten, Bergstationen & Co und zum anderen in Richtung Dienstleistungerweiterung. Damit könnten sich die Snowfreaks ihre Leihschi oder ihr Leihboard direkt im Hotel abholen und den individuellen Theorieteil ebenfalls sofort im Zimmer konsumieren. Von mir aus gerne via Teams oder Zoom, denn der mittlerweile ziemlich technikaffine Skilehrer sitzt unten im Rezeptionistenkammerl und gibt seine Anweisungen über Bildschirm durch. Das Skijauserl – Speckbrot, Jagatee und Germknöderl – wird direkt von der Küche im Stundentakt in die Zimmer geliefert. Die Lifte im Hotel sind selbstverständlich offen und da in vielen Skigebieten der Winter oft ohnehin nicht so will wie er soll, machen sich spätestens jetzt die Investitionen in die diversen Pistensimulationskonsolen bezahlt. Frischluft ist sowieso überbewertet. Mit und ohne Maske.

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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