21.06.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Ein Sommer wie damals

Dieser nunmehr beinahe uralte und in der verwichenen Woche künstlich wiederbelebte Slogan der heimischen Fremdenverkehrswirtschaft ruft in mir jedoch sehr wohl sehr angenehme Erinnerungen hervor.

Wer wie ich in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Gnade hatte, am Land – in meinem Fall im nach wie vor wunderbar lebenswerten Luftkurort Reichenau an der Rax – heranzuwachsen, wird mir sicher Recht geben. Denn die damaligen Sommer waren anders als die heutigen. Okay, die Winter auch, aber das ist wiederum eine völlig andere Geschichte. Bleiben wir also beim Sommer.

Was mir überaus angenehm in Erinnerung geblieben ist, war diese aus heutiger Sicht nicht mehr mögliche, schier grenzenlose Freiheit, die uns unsere Eltern und Großeltern gewähren ließen. In den Ferien zeitig in der Früh raus in die umliegenden Wälder und zum Sonnenuntergang müde, zerschunden, hungrig und durstig wieder daheim – für uns Nachbarsbuben selbstverständlich und glücklich gelebter Alltag. Bei jedem Bauernhof, durch den wir duchzogen wie eine Herde Gnus, bekamen wir ein Apferl oder ein Glaserl Birnensaft, oft halfen wir mit beim Ernteeinfahren oder beim Heuschoberaufbau.

Heute bekämen unsere Eltern mit ziemlicher Sicherheit Ordnungsstrafen wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht, gäbe es im Stundentakt Alarmfahndungen nach abgängigen Kindern und jede Menge Anzeigen wegen Bandenbildung und Landstreicherei. Unser Sommer von damals war das Paradies auf Erden und heutzutage längst unwiederholbare Geschichte. Vor allem aber wussten wir mit jedem gefundenen Ast, jedem Steinchen und jeder Art Baumharz etwas kreatives anzufangen, wir lebten nicht nur in der Natur, sondern mit ihr.

Ach ja, wir brauchten beim Radl- und beim Skifahren auch keinen Helm tragen, durften alleine im Kurparkteich Bootfahren und schauten uns liebend gerne im Hirschwanger, Reichenauer oder Payerbacher Kino – ja, wir hatten das Privileg von drei Kinos damals innerhalb weniger Kilometer – Filme an, für die wir eigentlich noch zu jung waren. Aber damals war eben das eine oder andere Auge-Zudrücken und mit einem dankbaren Lächeln Quittieren definitiv noch keine Straftat oder eine Herausforderung für Denunzianten – dass es so weit kommt, so wie heute üblich.

Das irgendwie Traurige ist jedoch, dass es einen Sommer wie damals nie wieder geben wird. Was bleibt, ist die Erinnerung. Sowie die Hoffnung, dass uns die Evolution die Fähigkeit mitgegeben hat, das Beste aus den Sommern von heute und morgen herauszuholen.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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