24.05.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Essen auf Rädern

Der genialen Idee des Riding Dinners folgend, bei der man gemütlich mit dem Fiaker durch Wien geführt wird, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kennenlernt und nebenbei auch noch an auserwählten Stationen bei Top-Restaurants von einem eigens dafür ausgebildeten Butler mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt wird, könnte man ja dieses gastrosophische Verwöhnprogramm in pandemischen Zeiten wie diesen relativ einfach erweitern, verfeinern und noch spezieller machen.

So sollte man – um ein gewisses Maß an Sicherheit zu garantieren – über die 3G-Regel hinaus unmittelbar vor dem Begrüßungsschampus ein Amuse-Nez geniessen, also rein mit dem Staberl in die Nase und die ganze Fahrt negativ sein. Damit dem darauf Folgenden Positives nichts mehr im Weg steht. Einen Stock tiefer, also quasi als Amuse-Gueule, bekommt man dann einen Gruß aus der jeweiligen Küche der ersten Station in den Mund geschoben. Das kann jetzt ein Kürbiskernpesto-Steirereckerkäsblini sein, ein Süßwasserkrebs-Filippoudding mit Safransafterl oder eine Schwarze Kameelspeise rund ums Beinschinkensülzchen mit Kren.

Selbstverständlich sollte man auch kulinarische Themenfahrten buchen können. Das Alte Wien zum Beispiel mit abgelaufener, aber noch gut genießbarer Ware, oder die Dritte-Mann-Tour, wo sich zum Fiaker und zum Butler noch ein Wassersommelier gesellt, der Kostproben der Ersten und Zweiten Wiener Hochquellenwasserleitung kredenzt. Wobei die zweite Variante der Dritte-Mann-Tour, nämlich mit Friseur für die Damen und Barbier für die Herren, die Möglichkeitsvielfalt weiterer Varianten erahnen lässt: mit Sitzjogalehrern, Parfumeuren, die für jedes angefahrene Grätzel explizite Düfte kreieren, oder Vokalcouches, die den Fiakerpassagieren mehr Lieder beibringen können als „Hoch auf dem gelben Wagen“. Sicher sehr gut angenommen werden würde die Tour „Das Sündige Wien“, bei der die Kutsche ausschließlich Paradeorte der Wiener Mehlspeisküche anfährt und den Gästen Sachertorten, Imperialschnitten, Landtmann-Maroniblüten und Hawelka-Buchteln kredenzt, um nur einige Beispiele zu nennen.

Interessant sind dabei auch die klassischen Wiener Heurigentouren, bei denen es nicht nur darum geht, in kürzester Zeit so viele unterschiedliche Wiener Weine wie möglich hinunterzuschütten, sondern schlußendlich auch nicht von der Kutsche zu fallen. Hier wurde ein Joint Venture mit der MA48 vereinbart, die den Heurigen-Kutschen mit speziellen Touristen-Aufsammelmaschinen hinterherfahren und alles Abgefallene auflesen. Einmal im Monat gibts dann einen Touristenflohmarkt, bei dem die dafür extra eingeflogenen Angehörigen ihre gestrandeten Pappenheimer wieder auslösen können.

Nicht für Touristen, sondern explizit ausschließlich für Wiener ist die Hotel-Tour gedacht, bei der man Luxus- und andere Suiten der feinsten Häuser Wiens besichtigen kann. Samt Probeliegen und gebrandete Badeschlapfen als Souvenir. Weil wann kommt man als Wiener schon zu einer realistischen Gelegenheit ein Wiener Hotelzimmer von innen zu sehen? Außer als Handwerker vielleicht. Oder eben als Hotelangestellter respektive als Zimmerdieb.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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