15.02.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Fasching wie damals

Irgendwie hab ich heuer gar nicht mitbekommen, dass sich der Fasching nun auch schon wieder dem Ende zuneigt, zumindest steht er ziemlich schief da, so kurz vor dem Umfallen. Wie überhaupt ich den heurigen Fasching nicht wirklich mitbekommen habe, obwohl wir doch alle reichlich maskiert waren und es auch noch immer sind. Helau!

Wenn ich da an die Masken von früher denke, an meine Ausflüge zu den Carnevals in Venedig, an die gespreizten und aber auch völlig zügellosen Gschnase bei Hofe und jenen der Ökista in den ehrwürdigen Sofiensälen lange vor dem Umbau – das war wahrlich eine andere Welt, nicht nur maskenmäßig. Denn wenn sich damals die Damen ihrer – wohlgemerkt – Augenmasken entblößten, dann knisterte es allerorts wie saftiges Buchenholz im Kamin.

Und ja, es hatte schon was Erotisches, wenn man sich in eine maskierte Dame verknallte, von der man einen ganzen Abend lang nur Figur und Mund-Nasenbereich kennenlernen durfte, aber nicht die Augenpartie ... Und wenn diese sich dann eben dieser Augenmaske –  wie zu Mitternacht üblich –  entledigte, pfu, also das hat schon was können. Das war sehr oft durchaus gleichzusetzen mit einem gekonnten Striptease. Vor allem nach dem Genuss einiger Gläser lustig perlenden Schaumweins, der einem ohnehin stets in eine sonderbare Welt der beschwingten Heiterkeit entführt. Was wir oft gekudert haben beim Ausziehen. Der Augenmaske selbstverständlich, alles andere fiel erst viel später, Sie kennen das sicher zur Genüge.

Der Vergleich mit der momentanen Faschingssituation hinkt nicht nur, der hatscht ordentlich. Dennoch wage ich ihn zu ziehen, zumal ja die Maskenpflicht mit Aschermittwoch nicht zu Ende geht. Obzwar ja offiziell keine Faschingsbälle, Gschnase und dergleichen stattfinden durften, weil ja nach wie vor aus den fadenscheinigsten Gründen die Gastro nicht mitspielen darf im verordneten Vabanquespiel, finden Begegnungen statt. Beim Friseur zum Beispiel, bei der Fußpflege oder in Laufhäusern, wobei man ja zu all diesen Begegnungen einen negativen Coronatest nicht älter als zwei Tage mitführen muss. Und eben die Maske tragen. Was ja bei der Pediküre kein Problem ist, aber für mich als Bartträger beim Barbier ...?

Dennoch sehen die aktuellen Verordnungen vor, dass die Gastro ihre Speisen sehr wohl zur Abholung oder zur Heimlieferung bereitstellen darf. Was im übrigen auch für Puffs & Co gilt, sogar mit Marscherleichterung. Denn für Hausbesuche brauchen sowohl die Gunstgewerblerinnen als auch die diversen Freier nur eine Maske, aber keinen Coronatest. Das war jetzt im Fasching so und das wird auch so bleiben. Egal was beide sonst noch tragen. Oder eben nicht. Je nachdem. Freuen wir ns also gemeinsam auf den Fall der Masken. Mit oder ohne Fun.

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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