26.10.2020

Willys Gastro-Wochenrückblick: Financial Distancing

Immer dann, wenn ich mich in Kaffeehäusern und Restaurants beim Kopfschütteln ob der oftmals ziemlich skurrilen Maßnahmenumsetzungsvarianten erwische, möchte mein gesunder Menschenverstand von mir wissen, was sich Anschober & Co bei ihren Entscheidungen wirklich gedacht haben ...

Und ich mein jetzt gar nicht die völlig vertrottelte Coronaampel, statt derer man ja gleich würfeln könnte, ohne sündteurer Expertenkommission. Zum Beispiel, dass man in Lokalen nur sitzen und nur bis zu einer gewissen Zeit Essen zu sich nehmen darf. Wirkt das Corona-Virus nur ab einer gewissen Höhe und wenn ja, was passiert dann mit den vielen Sitzriese, müssen die sich ducken beim Sitzen? Und schaut das Virus auf die Uhr und meint dann „So, meine Herrschaften, alles runterschlucken, jetzt beginnt die Übertragung ...“?

Besonders kurios finde ich im übrigen jenen Passus in den Distanzregeln, in dem definitiv erklärt wird, dass der Babyelefant unter Wasser nicht gilt. Weil der kleine Dickhäuter zwar schwimmen, aber nicht tauchen kann oder weil sich die gefährlichen Tröpfchen im Wasser ohnehin verschwimmen? Aber warum muss man dann mit Maske schwimmen?

Sei es wie es sei, für innovative Lokalbesitzer ist dieser Passus definitiv eine Chance für ein volles Haus ... äh ... Restaurantbecken. Ja, wir werden unseren Außer-Haus-Verzehr hinkünftig unter Wasser einnehmen. Selbstverständlich mit Maske - einer Tauchermaske mit direkt am Tisch montierter Sauerstoffflasche, deren Mundstück in Wechselwirkung mit der Essenszufuhrleitung funktioniert. Man bestellt per wasserdichtem Tablet, in der Küche wird alles zu Brei gemixt und frei nach dem Motto „all you can dawisch“ dem jeweiligen Gast zur Verfügung gestellt.

Die Aufgabe der Kellner ist somit ebenfalls glasklar definiert: Sie werden vorwiegend die Sauerstoffflaschen an den Tischen tauschen. Und eventuell Erste Hilfe leisten, wenn der eine oder andere Gast zu röcheln beginnt. Aus welchen Gründen auch immer.

Noch etwas ist mir aufgefallen, nämlich, dass unsere Regierung und hier im Besonderen Finanminister Blümel, praktisch allen Gastronomen und Hoteliers gegenüber wie ein leicht illuminierter Pharisäer agiert. Denn wie diese Wasser predigten, jedoch selber Wein soffen, predigen Blümel & Co social distancing, leben aber financial distancing, indem sie längst fällige Fixkostenzuschüsse und andere Soforthilfen immer nur ankündigen, jedoch viel zu spät oder überhaupt nicht ausbezahlen.

Fällt ganz eindeutig unter Häkerltaktik. Doch wir können zuversichtlich sein, denn irgendwann werden die Clowns, die zum Regierungsfrühstück am täglichen Speiseplan stehen, nicht mehr mitspielen wollen. Oder können, je nachdem.

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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