30.08.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Food Porn Pic-Verbot?

Manche Wirten haben bereits die Konsequenzen gezogen und das Fotografieren ihrer Gerichte durch die Gäste verboten.

Nicht jetzt unbedingt deswegen, weil aufgrund der durch den dilettantischen Abbildungsvorgang, bis das Foto halbwegs passt, verwichenen Zeit die Speisen hoffnungslos erkältet sind und die Gäste infolge nichts besseres zu tun haben als sich lautstark darüber zu beschweren. Dass das gehörig nervt, dürfte klar sein.

Der wahre Grund des Fotografierverbotes ist ein anderer und liegt auf der Hand: Viele Gäste stellen die soeben gemachten Fotos praktisch zeitgleich auf facebook, Instagram & Co, fühlen sich dadurch als profunde Gourmetkritiker und geben diesbezüglich auch ihren zumeist unqualifizierten Senf dazu. Je nach Lust und Laune halt, nach Tagesverfassung und stets nach Fehlern suchend. Aber immer mit einem urgeilen Gefühl der Macht. Zumindest über den Wirten respektive den Küchenchef.

Interessantes Detail am Rande: Es gibt eine Statistik über all jene Food Porn Pics, die am allerhäufigsten in die sozialen Medien gestellt werden. International betrachtet ist es die Pizza, die bildlich am öftesten verbreitet wird, mit ziemlichem Abstand gefolgt von Sushi. Was ich persönlich etwas enttäuschend finde, zumal es abertausende kulinarische Kreationen gibt, die nicht nur gastrosophisch, sondern auch optisch wesentlich mehr hergeben.

Besonders enttäuschend ist die österreichische Statistik der beliebtesten Food Porn Pics. Da führt nämlich das Wiener Schnitzel vor dem Germknödel und dem Tafelspitz. Mein Konklusio: So werden wir die hartnäckigen Klischees nie los. Also, bitte keine generellen Speisenfotografierverbote mehr, sondern nur bei den Klassikern. Alle anderen Kreationen aus den hervorragenden Küchen unseres Landes müssen sogar fotografiert und verbreitet werden. Damit die Welt endlich sieht, dass wir weitaus mehr sind als nur ein Schnitzelland und Klischeelieferant.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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