05.10.2020

Willys Gastro-Wochenrückblick: Grippenspiele

Immer dann, wenn die Benzinpreise steigen, kommt bei mir große Freude auf. Denn in der Annahme, dass wir dann endlich weniger sein werden auf der Straße, würde Autofahren - trotz der grünen Schikaniererei zum Beispiel in Wien - wieder weitaus mehr Spaß machen. Ähnliche Gedanken habe ich derzeit dank Corona ...

Endlich sind wir weniger in den Lokalen, vor allem aber - im Hinblick auf die kommende Wintersaison - in den Schihütten, weil stark anzunehmen ist, dass heuer wesentlich weniger Menschen die Pisten verunsichern und somit auch wesentlich weniger Menschen den berühmten Einkehrschwung praktizieren werden. Hüttengaudi wie sie früher einmal war, als wir noch mit Seilzugbindung und Pudelhaube unterwegs waren.

Corona wird aber auch die Christkindlmärkte und Weihnachtsfeiern gehörig ausdünnen. Frei nach Handke werden die Advent- und Christkindlmärkte aufgrund der Regierungsbestimmungen zum punschlosen Unglück mutieren und die diversen Weihnachtsfeiern zum völlig unterbesetzten Krippen- bzw. unter Umständen sogar Grippenspiel verkommen. Bei dem das Influenza-infizierte Jesukind maximal die Maria, den Josef, einen Esel und ein Schaf um sich scharen darf. Die Heiligen Drei Könige werden auf den Sternträger, den Klingelbeutelhalter und den Schokoladenempfänger überhaupt gänzlich verzichten müssen.

Der Opernball und viele andere Bälle wurden bereits jetzt wohlweislich abgesagt, ja nicht einmal Maskenbälle dürfen stattfinden, trotz MNS-Pflicht - eigentlich ein herrliches Paradoxon. Der Ärzteball soll jedoch - wie man hinter vorgehaltener, desinfizierter Hand munkelt - dennoch stattfinden, im kleinen Kreise. Irgendein OP ist immer frei. Schade nur, dass man Richard Lugner aus dem Krankenhaus bereits wieder entlassen hat. So entgeht ihm leider auch dieses Vergnügen. Wobei, er könnte es ja genau so halten wie diese Tage anläßlich seines 88. Geburtstages, einfach seinen Zoo schnappen und eine saftige Dschungelparty zelebrieren.

Definitiv keine Dschungelparty respektive Schlammschlacht wird die heurige Wiener Wiesn, denn die gibt es diesmal nur virtuell. Zwar lieferten Hans Knauß und Lizz Görgl beim traditionellen Auftaktbieranstich eine ziemlich überschäumende Live-Performance, aber das traditionelle Ansaufen gibts heuer nur daheim. Womit der Begriff „Digitales Rauschen“ eine völlig neue Bedeutung bekommt.

Abschließend noch ein kleiner Aufruf an die Frontmen und -women in der Gastronomie: Werft eure Plastikvisiere weg, denn die sind angeblich echt fürn Hugo, dem Gaston, der unserem Thiem am verwichenen Sonntag das Leben in Paris ziemlich beschwerlich machte.

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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