14.12.2020

Willys Gastro-Wochenrückblick: Im Corona-Cafe

So ändern sich die Zeiten. Als sich in den Siebzigern die HAK in Wr. Neustadt besuchte, überkam uns des öfteren jugendlich-leichtsinnig motivierte Fadesse, sodass wir uns beinahe reflexhaft in einem nahe gelegenen Kaffeehaus am Hauptplatz einfanden um dort die Zeit mit Billard, Schach oder einfach nur mit Plaudern bei guter Melange herunterzubiegen ...

Ich persönlich war ja eher nie so das große Billardtalent und gab das eigenartige Spiel mit Staberl und Kugerln relativ früh auf, vor allem als man mich spüren ließ wie teuer so ein grünes Filzfetzerl sein kann. Beim Schach konnte ich da zum Glück nicht so viel ruinieren, also wurde das Spiel der Könige alsbald meine Passion. Und natürlich der Kaffee, zu dem ich seit damals irgendwie so etwas wie ein Suchtverhältnis aufgebaut habe. Ich glaube, er mag mich auch. Irgendwie.

Wurscht, rückblickend betrachtet waren die vielen Stunden im Kaffeehaus alles andere als vergeudete Schulzeit, lernte dort sicher fürs Leben mehr als in den geschwänzten Stunden und blicke heute auf eine überaus positive Zeit zurück.Und ja, ich habe es genossen, dass man damals noch in keiner Weise auch nur irgend einen Gedanken darüber zu verschwenden versuchte, ob man Rauchen verbieten soll oder nicht. Der Smog gehörte zu einem Kaffee genau so dazu wie das Zischen der Kaffeemaschinen oder das Geraunze der Kellner. So ungesund rauchen aus heutiger Sicht auch damals schon gewesen ist, es war zweifelsohne Teil der Idylle.

Nach dem generellen Rauchverbot vor rund zwei Jahren konnte man die Kellner rein optisch zwar schon von Weitem erkennen und musste nicht permanent an den legendären Film von Michael Apted „Gorillas im Nebel“ denken, doch seither fehlt etwas. Mir mein Pfeiferl zum Cappuccino zum Beispiel und damit der Duft von Borkum Riff Highland Malt Whisky. Aber das nur nebenbei.

Zeitsprung ins Jahr 2020. Die Kaffeehäuser mussten coronabedingt nach dem Frühjahr im Herbst noch einmal schließen, was uns mehr denn je das Bewußtsein in jene Richtung schärfen sollte, wie wichtig eine tradierte Institution wie unsere Kaffeehäuser für die Gesellschaft ist. Um wieviele literarische Köstlichkeiten wären wir ärmer, auf wieviele Freundschaften, Begegnungen und Liebeleien hätten wir verzichten müssen und wieviele nicht geführte welt- und grätzelpolitische Diskussionen hätten den Lauf der Welt nie und nimmer verändert?

Um so wichtiger und begrüßungswert finde ich die Idee, dass Kaffeehäuser ihre Räumlichkeiten und Faszilitäten nun als Home-Schooling-Ersatzort zur Verfügung stellen und somit wiederum ein wichtiger Umschlagplatz für Gedanken und Beziehungen aller Art werden. Genau so wie man nie zu früh damit beginnen kann, sich dem Garteln und dem Kochen zu widmen, sollte man die sozialen Kontaktkompetenzen eines Kaffeehauses nutzen und alle Facetten ausschöpfen, die es jedem für sich – durchaus individuell – eröffnet.

So könnte man ja zum Beispiel die Gastrosoftware mit den Tablets der anwesenden Kids sowie mit jenen der Lehrer verknüpfen und etwaige Speisen- und Getränkebestellungen quasi ohne Zeitverlust erledigen. Den Lehrern wird alles nach Hause oder in die Schule – je nachdem – geliefert und die Schüler bekommen vor Ort serviert. Die Rechnungen werden direkt an Faßmann gemailt. Mit Zahlungsziel drei Stunden. Quasi als Ansporn für weitere zukunftsweisende Aktivitäten, wie zum Beispiel ortsunabhängige Aus- und Weiterbildung für Erwachsene. Gerne auch direkt vom Kaffeehaus aus. Was sich im übrigen auch perfekt für Home Office anbieten würde.

Wobei, so neu ist die Idee ja gar nicht. Bereits im vorigen Jahrhundert haben sich die manchmal ziemlich fragwürdigen Geschäfte vorwiegend im Kaffeehaus ergeben. Das kann ruhig so bleiben. Auch unter diesen aktuellen Bedingungen. Herr Ober, bitte noch eine Melange, ein Buttersemmerl und fürn Hund das Ohrwaschl von meinem Gegenüber. Und schön knusprig, bitte!
 

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