19.10.2020

Willys Gastro-Wochenrückblick: Kalte Kuchl

Wenn ich für meine Familie oder für Freunde koche, kann es schon vorkommen, dass ich stundenlang aus meiner Kuchl nicht rauskomme, ich aber auch niemanden reinlasse. Ich kann also sehr gut mit den Kuchlern mitfühlen ...

Nur: Der große Unterschied ist, ich kann selbst bestimmen, wann ich meine Kuchl verlasse und ob wer zu mir rein darf. Würde ich dann auch noch gezwungen werden, mein zumindest halbwegs erträgliches Plexiglasvisier gegen so einen eng anliegenden Stofffetzen zu tauschen, könnte es durchaus passieren, dass ich um 17 Uhr Schluss mache und den Großteil meines Equipments beim Fenster rauswerfe. Zumal ja sowohl Verwandte als auch Bekannte im letzten Moment wieder umgedreht oder überhaupt gleich abgesagt haben, weil sie bei meiner Haustür ihren Namen samt Kontaktdaten nicht angeben wollten. Und mit meinem Rat, den QR-Code zu fotografieren, haben sie schon überhaupt nichts anfangen können, außer meinen Hund Quentin Rauhaar etwas komisch anzusehen.

Komisch ansehen tun mich die Kellner auch immer ein bisserl, weil ich meinen Cappuccino stets im Doppelpack zu bestellen pflege und denselben fürderhin als Abo im Viertelstundentakt ordere. Denn es kommt wahrlich nicht von ungefähr, dass nicht nur wir Kaffeehausliteraten der Meinung sind, ein Kaffee kann den Tag retten, zwei hingehen das Kaffeehaus.

By the way: Weihnachten wird heuer eine echte Gaude. Weil, wenn die Lustigen am Regierungsbankerl das mittlerweile durchgesickerte Strategiepapier tatsächlich durchziehen, gibt‘s zum einen in keinem einzigen Lokal unseres Landes eine private oder eine Firmenweihnachtsfeier, weil maximal sechs Personen daran teilnehmen dürfen und jedes Sechsergrüppchen einen Polizisten zur Kontrolle beigestellt bekommt. Was ich mir im privaten Bereich vor allem am Heiligen Abend besonders interessant vorstelle. Muss ich den Aufpasser mitfüttern? Und wenn ja, zählt er dann bereits als siebente Person und schickt somit einen von uns automatisch weg? Vor allem, wohin? Ins nächste Wirtshaus? Geht nicht, die haben seit 17 Uhr geschlossen. Zum Nachbarn? Geht auch nicht, weil denen sind schon sieben. Was man daran erkennt, dass zwei von ihnen - genau wie die Freilufttanne - im Freien herumstehen und das eine oder die andere rauchen.

Was also bleibt, ist sich wieder einmal in der Kuchl einigeln. Auch wenn diese am an sich gemütlichsten und romantischsten Festabend des Jahres kalt bleibt. Eiskalt.

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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