02.11.2020

Willys Gastro-Wochenrückblick: Martofu- und Seitinigansl

Der Kniefall vor den westlichen Saisonbetrieben ist gelungen, wurde doch die bereits im Vorfeld des Öfteren von diesen geäußerte Forderung nach einem November-Lockdown, damit die Wintersaison gerettet werden kann, brav und politisch dankbar umgesetzt.

Die Tatsache, dass man damit den kleinen Ganzjahres-Gastrobetrieben, die definitiv nach vielen Investitionen und Umbauten coronamäßig alles im Griff hatten, den Todesstoß versetzte oder zumindest langsam ausbluten lässt, nimmt man in Kauf. Oder hat man gar überhaupt nicht an sie gedacht, wie schon so oft? Oder stellte man ganz fiese Überlegungen an und läßt das Gros der Gastrobetriebe für Verfehlungen einiger weniger pauschal büßen? Denn hätte man ausschließlich die nachtaktive Clubszene abstrafen wollen, so hätte man sich nur im unmittelbaren Kanzlerumfeld umsehen müssen ohne die anderen mit reinzureiten. Aber die uralte Kriegstaktik der Sippenhaftung ist halt nach wie vor eine der effizientesten überhaupt.

Dennoch: Zu glauben, dass ein Lockdown im November die Ansteckungszahlen nach dem Wiederaufsperren im Dezember tatsächlich niedrig gehalten werden können, so sie überhaupt niedriger werden, ist im Höchstmaß naiv und blauäugig. Denn wir alle kennen unser unvernünftiges Volk, das ja bekanntlich den Begriff Eigenverantwortung weder schreiben noch aussprechen kann. Denn kaum werden die Maßnahmen wieder gelockert, gibts - wie bereits den Sommer über mehrfach bewiesen - kein Halten, keine Masken und keinen Abstand mehr. Und Corona reibt sich die Hände und lacht sich ins völlig verseuchte Fäustchen. Was das für unsere Infektionsstatistik bedeutet, brauch ich Ihnen ja wohl nicht wirklich erklären. Die Zeit wirds weisen.

Apropos Wartezeit. Wenn sich Finanzminister Blümel damit rühmt, dass die bisherigen Hilfen den Betrieben gegenüber sehr gut funktioniert haben, ist man assoziativ blitzschnell am Plafond der Lächerlichkeit angelangt, was jedwede Art von Skepsis des nun angekündigten 80-Prozent-des-November-Umsatzes-2019-Ersatzes mehr als gerechtfertigt. 

Gans was anderes: Eine Umfrage unter Martinigansln hat ergeben, dass sie nicht nur den Lockdown im November begrüßen, sondern auch auf Alternativen für Weihnachten - Karpfen, Truthahn, Bratwürstel mit Sauerkraut usw. - aufmerksam machen möchten. Wobei ihnen klar ist, dass die Übergangszeit in den Tiefkühlgeräten der heimischen Gastro eine ziemlich einsame werden wird. Da kann man schon mal auf ziemlich verquere Gedanken kommen.

Wie zum Beispiel auf jenen, dass man die lustigen Veganer durchaus vermehrt dazu animieren könnte, Martinigansln hinkünftig aus Tofu oder Seitan nachzubasteln, was unter anderem auch den Riesevorteil hätte, dass vegane Produkte in Österreich - im Gegensatz zu fleischlichen - keinem Codex unterliegen, man also gelinde gesagt reinmischen darf was man will. Ach so, das passiert bereits? Martofugansl und Seitinigansl gibts schon? Na dann ... Mahlzeit!

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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