01.03.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Mutig in die neue Zeit!

Bereits vor Monaten habe ich hier an dieser Stelle geschrieben, dass die Zukunft der Gastro nur über Testing funktionieren wird. Aus heutiger Sicht hat sich das spätestens in der vergangenen Woche nicht nur bestätigt, sondern ist dieser Umstand in weitaus bedeutendere Sphären aufgestiegen.

So wie es sich momentan herauskristallisiert, ist das Öffnen der Gastro und der Theater die einzige Chance, nicht nur unsere Wirtschaft zu retten, sondern auch unser nicht mehr wirklich gesundes Gesellschaftsgefüge. Die Frage, warum die Regierung sich eigentlich von Anfang der Pandemie an so vehement gegen das Öffnen von Restaurants, Beisln und Gasthäuser aller Art sowie der Theater- und Konzertbühnen gewehrt hat, ist rational nicht erklärbar.

Zumal diese beiden Genres neben dem Lebensmittelhandel von Anfang an die einzigen waren, die praktikable Konzepte entwickelt und lebbar gemacht haben. Über die Folgen der permanenten Schließung hat offensichtlich auch niemand nachgedacht. Haben keine Lokale offen, brauchen die Wirte weder Speisen noch Gatränke. Wenn weder Speisen noch Getränke bestellt werden, wirkt sich das unmittelbar auf den Großhandel und die Direktlieferanten aus, die keine Produkte mehr verkaufen. Werden keine Produkte verkauft, braucht auch bei den Produzenten nichts nachbestellen. Passieren keine Nachbestellungen, bleibt Ware über, muss entweder rechtzeitig verschenkt oder vernichtet werden.

Besonders fatal wirkt sich das alles auf die heimische Landwirtschaft aus, auf deren Produkte wir doch alle – also auch die Regierung – ob ihrer Topqualität und Frische ach so stolz sind. Da stehen längst schlachtreife Tiere herum, mit sichtbarem Übergewicht, da verrotten Karotten, muss Bier weggeschüttet werden und platzen die Weinkeller aus allen Nähten. Und mitten drin als deklarierte Schwachstelle in diesem System – der Mensch, dem man mit Kurzarbeit kurzfristig zur Überlebensverlängerung zwar helfen kann, den materiellen Todesstoß jedoch nicht verhindern. Ganz abgesehen von der derzeit massiv um sich greifenden Depressions- und Aggressions-Pandemie, deren Folgen auch wissenschaftlich fundierte Pessimisten noch gar nicht absehen können beziehungsweise es nicht wagen, diese auszusprechen.

Sie sehen, es war und ist nicht nur irgend einer von vielen Regierungsfehlern, Gastro & Co zugesperrt zu lassen, sondern der alles Entscheidende gegen das Wohl unserer Gesellschaft. Es wird also höchste Zeit, dass in dieser Causa nicht nur ein Umdenken bei einigen wenigen Entscheidungsträgern stattfindet, sondern von Kurz und Anschober couragierte Umsetzungen erfolgen. Mutig in die neue Zeit! 

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
Sagen Sie uns Ihre Meinung: redaktion(at)hotelundtouristik.at

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Partner

Mediadaten