17.05.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Nichts gelernt?

Frei nach dem guten, alten Sprichwort „Wem man den kleinen Finger reicht, der will die ganze Hand“ hab ich mich umgehört im Freundes- und Bekanntenkreis. Und ich musste in für mich überraschend vielen Fällen nachhaken, weil ich den Antworten nicht getraut habe. Aber wir Menschen sind scheinbar wirklich so - wir lernen einfach nicht aus unseren Fehlern.

Jetzt, wo die Hotels dieser Welt schön langsam beginnen, ihre freundlich lächelnden Fangarme für hinkünftige Gäste auszubreiten, schiessen auch schon wieder die Billgangebote en masse aus den soeben erst getrockneten Massentourismussümpfen. Müssen wir wirklich mit Gierschaum in den Mundwinkeln um achtzehn Euro nach Rom fliegen? Müssen wir wirklich um einhundert Euro eine Woche die Balearen oder die Kykladen aufmischen? Und müssen die Fluglinien tatsächlich hoffnungslos überbuchen um halbwegs kostendeckend einen Flug überhaupt beginnen zu können? Ist dieses definitiv ungesunde Anbiedern an die schnäppchgeile Masse wirklich notwendig?

Und weil wir schon dabei sind: Dass unsere Gastronomen - bis auf wenige Ausnahmen - mit großer Vehemenz dagegen sind, dass sie die Herkunft ihrer verarbeiteten Lebensmittel offenbaren sollen, ist für mich schon irgendwie nachvollziehbar. Weil bulgarische Tiefkühlputen sind nun einmal im Wareneinsatz wesentlich günstiger als heimische Bioware. Und der georgische Hirsch wesentlich billiger als einer aus unseren wohlgehegten Wäldern. Ich könnte die Liste schier unendlich fortsetzen und jedesmal signifikante Treffer landen, bei denen Ihre Gäste sagen würden „Das hätt ich mir jetzt echt nicht gedacht!“

Tatsache ist aber auch, dass wir vom pandemischen Virus nichts gelernt zu haben scheinen, weder warum Ihr Betrieb, das ganze Land, die ganze Welt heruntergefahren wurde auf Stand-by, noch, dass unsere Erde klimamäßig aus dem letzten Loch pfeift und wir jetzt die große Chance hätten, zumindest Teilreparaturen vorzunehmen. Mit keiner Wiederaufnahme des Massentourismus und mit weitaus mehr Transparenz in Sachen Herkunft. Bleibts daham in Österreich, Leidln und unterstützts unsere Bauern. Als Reisender, als Wirt und als Gast. Weil vielleicht reicht ja doch der kleine Finger zum Glücklichsein.

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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