26.04.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Nudeldrucker

Heute einmal nichts zum Thema Corona, Lockdown oder Regierungsmaßnahmen - außer vielleicht: Schaumamal, ob wir am 19. Mai wirklich alle Gastrobetriebe überall aufsperren dürfen.

Mein eigentliches Thema des Ihnen nun vorliegenden Gastro-Rückblicks sind die gerade in den letzten Wochen zuhauf kolportierten Meldungen über die ach so großen Erfolge veganer Lebensmittel und Gastro-Konzepte. Nur um die Kirche im Dorf zu belassen – wir sprechen da von einem veganen Bevölkerungsanteil von gerade einmal 1,6 Prozent. Wie gesagt: Veganer – Vegetarier und Flexitarier lasse ich da ganz bewußt außen vor.

Jüngstes veganes Beispiel, das ich Ihnen keinesfalls vorenthalten möchte, ist jenes eines Wiener Start-ups namens Revofoods, die einen veganen Räucherlachs entwickelt haben. Und zwar aus dem 3D-Drucker. Schenkt man den Firmenvertretern und Erstverkostern Glauben, schmeckt man keinen Unterschied zum Original, auch von der Form und Konsistenz her.

Was mich echt interessieren würde, wäre die Reaktion eines kanadischen Grizzlys, wenn man ihn mit der veganen Lachsversion konfrontieren würde. Weil – im Gegensatz zu instinktgetriebenen Tieren – wir Menschen, lassen uns ja gerne und oft täuschen, vor allem die Veganer sind da sehr empfänglich, Hauptsache es ist nichts Tierisches drin. Was drin ist, interessiert aber auch die Wenigsten, denn im Unterschied zu allen tierischen Produkten folgen die veganen Kreationen keinem strengen Lebensmittelkodex. Wir essen also kaum kontrollierte Freestyle-Lebensmittel, ignorieren chemische Ingredienzen genau so wie rein Daumen mal Pi geschätzte Haltbarkeiten.

Und dass dabei kein gelernter Koch dahintersteckt, sondern eine von Chemikern und Ingenieuren entwickelte, undefinierbare Füllmasse für den 3D-Drucker, der dir dann einen perfekten Fake-Lachs auf den Teller oder ins Weckerl knallt, scheint ebenfalls wurscht zu sein. Auch wenn diese Feststellung ein wunderbares Paradoxon darstellt, da ja bekanntlich gerade Veganer dieselbe nicht wirklich gern in den Mund nehmen. Und sei es nur als Wort.

Also, wenn Sie hinkünftig Lachs auf Ihre Speisekarte nehmen möchten und es Ihnen nicht egal ist, wenn Ihre Gäste fragen, ob dieser vegan sei, dann überlegen Sie gut, was Sie antworten. Es könnte nämlich durchaus sein, dass Sie bis dato unterdrückte Trendsetter-Ambitionen hegen und sich der neue 3D-Drucker in Ihrer Küche bereits auf weitere Einsätze freut. Als Nudeldrucker zum Beispiel.

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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