05.04.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Österliches Beisl-Hopping

Ich muß zugeben, die Idee kam nicht von mir, sondern von einem seit Jahrzehnten mit der Gastronomie tief verwachsenen Freund und hat mich Ausgeburt der Neugier sofort gepackt …

Nach dem Lesen meiner beiden letzten Kolumnen auf stammgast.online lud er mich zu einem – wie er meinte –  gediegenen Beisl-Hopping in sein idyllisches niederösterreichisches Dorf, eingebettet in bestens gepflegte Rieden, gespickt mit offiziell „Leider wegen Corona“ geschlossenen Heurigen und jeder Menge Landgasthöfe mit maximal Take-away- respektive Zustell-Service.

Eines gleich vorweg: Von den fünf auf unserer Beisl-Tour besuchten Lokalen hatten sieben geöffnet. Wie das geht? Die Rechnung ist ganz einfach, erklärte mir mein Freund, weil das Geschäft über die Hinter- und Kellertürl dermaßen gut ankommt, haben sich zwei findige Betriebsinhaber völlig anderer Branchen ziemlich edle Outdoor-Kitchen zugelegt um eine illustre Gästeschar mit frisch Gegrilltem und ebenfalls frisch gezapftem Bier, quasi als Alternative zum ansonsten üblichen Heurigenangebot, kulinarisch zu verwöhnen.

Allerorts waren wir herzlich willkommen, sogar der Bürgermeister und seine Vize begrüßten uns herzlich, es fielen Worte wie „So schaut halt die Normalität bei uns im Dorf aus.“ Und im Nachbardorf, in dem neben dem Nachbardorf und drüben im übernächsten ebenso.

Was auffiel, war die unterschiedliche Mundhabung der Maskenpflicht und des Distancings. Währen die einen regelrecht auf Kuschelkurs ihre Schlachtplatte gemeinsam genossen, suchten andere wieder beinahe voll vermummt die jeweils letzten Eckerl in den Innenhöfen, um diese zu besetzen. In einem zum durchaus liebevoll dekorierten Gastgarten umfunktionierten Hinterhof stand sogar eine alte Scheibtruhe mit einem Taferl dran „Das ist unser Babyelefant. Stellen Sie ihn einfach zwischen sich und allen anderen!“ Und ganz klein darunter: „Wenn Sie möchten.“
So sieht er also aus, der Lockdown in der Pandemie.

Und dieses eine Dorf in NÖ ist nur eines von unendlich vielen Beispielen, was man anrichtet, wenn man wie ein trotziges Kind auf das Zugesperrtbleiben der gesamten Gastronomie und Hotellerie beharrt und somit alle trotz bewährter Konzepte in die Illegalität treibt. Und die Kultur gleich mitnimmt ins Verderben. Doch „die Rechnung ohne den Wirt machen“ hat mittlerweile längst eine völlig andere Bedeutung bekommen. Nicht nur in diesem Beispieldorf in NÖ, sondern österreichweit und vor allem auch im urbanen Bereich. Wo man ebenfalls jede Menge Politiker, Oppositionelle sowieso, aber auch Vertreter der beiden Regierungsparteien entdecken kann. Weil privat sind sie ja ohnehin ganz anders. Sagt man.

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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