12.04.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Schaumschläger gesucht!

In meiner heutigen Kolumne möchte ich mich ganz bewusst über das derzeit hochbrisante Wegschütten von Bier wagen, weil ich überhaupt nicht einsehe, dass das wirklich sein muss.

Das völlig unnötige „Weghauwerfen“ von Lebensmitteln war ja bekanntlich bereits vor Corona vieldiskutiertes und somit ein allerorts polarisierendes Thema. Immer wenn ich die für mich völlig unverständliche Hiobsbotschaft von hektoliterweise Wegschüttaktionen von laut Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufenem Bier wahrnehme, muss ich an meine Oma in Reichenau an der Rax denken, die sich jeden Samstag Nachmittag, pünktlich unmittelbar nach Geschäftsschluss, ein Vollbad einließ um die wöchentlich angesagte Vollkörperpflege zu zelebrieren.

Wobei sie ihre schlohweißen Haare, die ihr in freier Wildbahn und aufrecht stehend locker bis zu den Knien reichten, mit einem ganz besonderen Gemisch aus Bier und rohen Eiern pflegte. Und so ganz nebenbei: Da seinerzeit der Bierverkauf gebietsweise streng kartelliert war, weiß ich noch, dass es sich um ein Puntigamer Märzen handelte. Weil eine andere Biersorte durften wir in unserer damals noch kleinen Greißlerei in Hirschwang nicht im Sortiment haben. Aber das ist Schaum von gestern.

Wenn ich also biergetrieben an meine Oma denke, frage ich mich allen Ernstes, warum die Bierbrauer einerseits und die Gastronomen andererseits nicht auf die Idee kommen, ein zugegeben ziemlich gewagtes, aber definitiv innovatives Joint Venture mit den Friseuren einzugehen. Okay, momentan haben diese auch eher den Blues, was Arbeitserlaubnisse betrifft, denn einen fröhlichen Reggae, aber wenn für die Gastro Take away erlaubt ist, müsste das doch auch für bierige Frisur-Kits gelten. Und der Toni Bauer, der ja vielumworben putput macht, damit es den Hendln gutgut geht, dürfte da auch mitspielen.

Also: Die Brauereien und/oder die Gastro liefern den Friseuren das Bier, die Hendlbauern die frischen Eier und die Haarkünstler basteln daraus Anleitungen für gediegene und vor allen lockdowntaugliche Haarpflegen en gros und en detail. Damit kommt auch wieder etwas mehr Natur und somit weniger Chemie in unser aller Haar, ist den Brauereien und der Gastro geholfen, den Eierbauern und selbstverständlich auch den Friseuren selbst. Im nächsten Step könnte man dieses Locken-Lockdown-Package auch über die diversen Lieferservice-Unternehmen anbieten. Eventuell sogar mit haarpflegetechnischer Zusatzausbildung für Fahrrad- und andere Boten. Ein Schaum - ein Leben!

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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