28.09.2020

Willys Gastro-Wochenrückblick: Therapie im Kaffeehaus

Diese Tage saß ich völlig allein im an sich stets überfüllten Cafe Landtmann, habe für alle Viertelstunden einen Cappuccino abonniert und sinnierte einmal mehr über aktuelle Coronabestimmungen.

Wenn also die ganz besonders Lustigen bei der Angabe der Kontaktdaten im Zuge der Registrierungspflicht in Lokalen Donald Duck oder Mickey Mouse hinschreiben und ein etwaiges Contact Tracing funktioniert nicht, wird nicht der Lustige zur Verantwortung gezogen, sondern der Lokalbesitzer. Das ist der eigentliche Wahnsinn bei dieser neuen Regierungsschikane. Und zwar egal, ob man sich handschriftlich in eine Liste einträgt oder via QR-Code in ein elektronisches Formular - vorausgesetzt man ist des Svhreibens mächtig beziehungsweise nennt ein Smartphone sein Eigen.

Für die Wirte bedeutet es in jedem Fall eine gehörige Mehrhacke, es sei denn man ringt sich seitens der Regierung um Visitenkartenzwang für alle durch. Die könnte man dann einfach am Eingang quasi abstempeln lassen, da ja die Uhrzeit ebenfalls Relevanz hat. Auch beim Verlassen des Lokals. Braucht dann der Kellner nur mehr die Tischnummer draufschreiben oder jeder Tisch hat sowieso eine eigene Registrierungsbox. Allerdings, wenn man sich auf der Toilette bei jemandem aus einem ganz anderen Eck des Lokals ansteckt, erfährt das auch niemand.

Wie Wirte hinkünftig mit jenen Gästen umgehen, die den halben Tag bei einem kleinen Braunen oder einem Achterl im Lokal sitzen und definitiv nichts zum dringend notwendigen Umsatz beitragen, bleibt ebenfalls offen. Hier könnte man ja im Rahmen der individuellen Hausordnung - ähnlich wie eben ich mit dem Landtmann - durchaus über Abos diskutieren. Alle Viertelstunden eine Melange als Mindestkonsumation inklusive Therapiegespräch warum man in ein Lokal geht ohne etwas zu konsumieren.

Apropos Therapiegespräch. Um der branchenspezifischen Jammerei über coronabedingt notwendigen Kündigungen von Gastro-Personal aller Art effizient entgegenzuwirken, könnte man doch Kellner, Concierge & Co als Krankenpfleger umschulen. Geduld, Einsatzbereitschaft und psychologisches Basiswissen im Umgang mit Menschen bringen sie ja allesamt bereits mit, nur ihre Trinkgeldansprüche werden sie zurückschrauben müssen. Dafür gibts dann jede Menge Bonbonnieren und Cognacflaschen als kleines Dankeschön. Ist ja auch nicht nichts.

Und noch einen Tipp hab ich, primär für die einschlägige Nachtgastro. Weil sich ja die Plexi-Schutzschilder als nicht wirklich wirksam herausstellten, könnte man ja die ohnehin nur herumliegenden Bundesheer-Gasmasken einer völlig neuen Bestimmung zuführen. Filter runterschrauben und geht schon. Daran könnte man auch gleich auf einem Blick erkennen, wer zum Servier- bzw. Betreuungs-Personal gehört und wer nicht. Hier jedenfalls wäre dann tatsächlich eine Maskenpause berechtigt. Alle zehn Minuten eine halbe Stunde. Außer man hat eine akribische Neigung zur Dyspnoe. Übrigens: Mein anschließendes Therapiegespräch mit dem gesamten Landtmann-Personal war überaus erfolgreich. Ich darf gerne wiederkommen. Auch mit Begleitung.

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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