15.11.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Trottelhotel!

Ich weiß, Sie als Gastronom und/oder Hotelier haben in 2G-bedingten Lockdownzeiten wie diesen andere Sorgen. Aber dennoch, ist Ihnen bei so manchem Online-Bewerungseintrag auf Plattformen wie TripAdviser & Co auch schon manchmal das Stirnrunzeln gekommen?

Da findet man die gesamte Emotionspalette –  von der totalen Vernichtung bis zur überschwenglichen Lobhudelei. Auf der einen Seite genügt oft eine Kleinigkeit wie ein brauner Fleck am Schürzerl der Kellnerin oder ihr nicht genehmer Dialekt um nach dem Restaurantbesuch eine vernichtende Kritik rauszurotzen, völlig wurscht ob die Küche respektive das Service an diesem Tag in Höchstform war und eine gastronomische Kür sondergleichen bot oder nur zur Pflicht aufgelaufen ist. Der vormittägliche Streit mit dem Kollegen oder der spitze Antwortreigen seiner Frau war aus der Laune des Gastes nicht mehr rauszukriegen.

Andererseits kenne ich durchaus renommierte Gastronomen und Hotelbesitzer, die halten eine beträchtliche Budgetsumme parat, um Studenten für positive Bewertungen ein nettes Körberlgeld zu verschaffen. Aber oft sind es auch die Wirte selbst, die sich – meistens des Nächtens – zum Computer setzen und die eigene großartige Küche, die gediegene Weinauswahl und das feine Ambiente über den grünen Klee loben. Ein kurzer Blick ins weltweite Internetz beweist das eindrucksvoll. Und: Das Erinnerungsvermögen der Wirte und Hoteliers ist ebenfalls eine hochinteressante Fundgrube.

Nur ein Beispiel: Ein bundesdeutscher Gast, völlig frustriert weil ihm ein mir gut befreundeter Hotelier beim Auschecken die sich kurzfristig in dessen Eigentum verirrte Nespressomaschine wieder abnahm, reagierte noch vor der Abfahrt im Auto sitzend via Smartphone. „Trottelhotel!“ lautete sein Eintrag auf der Bewertungsplattform, ein einziges Wort. Dabei ist der Begriff „Trottel“ doch eher heimischer Provenienz, oder? Jeder andere Deutsche hätte „Idiotenabsteige!“ geschrieben. Andererseits aber auch gut zu wissen, dass sich die diesbezüglich resistenten Alemannen heimatlichen Brauchtümern gegenüber sehr wohl auch anpassen können. Zumindest philologisch.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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