16.11.2020

Willys Gastro-Wochenrückblick: Werden Sie Stundenhotel!

Ich weiß jetzt nicht wie Sie damit umgehen werden, aber ich möchte Sie einladen, mir bei folgenden, ganz bewusst etwas gewagt gehaltenen Gedanken zu folgen.

Da der aktuelle, verschärfte Lockdown uns alle zu einer ganzen Reihe von Umdenkmaßnahmen zwingt, ergeben sich automatisch viele neue Möglichkeiten, wie wir die momentane Zeit optimal nützen können. Und zwar jetzt beileibe nicht mehr nur wirtschaftlich wie vor zwei Wochen bei der Light-Version des Lockdowns, sondern praktisch auf allen Gebieten, also primär gesundheitsbezogen sowie gesamtgesellschaftlich und auch jeder für sich ganz persönlich.

Somit erachte ich es als absolut sinnvoll, die Hotellerie in jedem Fall offen zu lassen, die größeren Räume, die ja beinahe allesamt ohnehin mit perfektem Seminar-Equipment ausgestattet sind, den Schulen mit dem Argument des Social Distancings als Schulklassen zur Verfügung zu stellen oder den Universitäten als virtuelle Hörsäle. Womit man nicht nur das leidige Thema Schulschließung abgewendet hätte, sondern auch die völlig berechtigte Angst vor Homeschooling. So gesehen würden viele Eltern in Home Office zurecht aufatmen, wenn der Störfaktor Kinder ganz einfach nicht vorhanden ist und man sich voll und ganz der Arbeit widmen könnte.

Wobei das Offenhalten der Hotellerie ja noch einige weitere Vorteile in komischen Zeiten wie diesen in sich birgt. Wenn man nämlich zusätzlich die leeren Zimmer adaptieren würde, dann könnte man diese als Home Office Faszilitäten vermieten. Durchaus auch stundenweise, was den Begriff Stundenhotel nicht nur neu definiert, sondern auch vom schlüpfrigen Background als Herzeigemodell vor die Vorhänge holt.

Die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Hotellerie könnte dank dieser sich plötzlich auftuenden Möglichkeiten um noch eine weitere Idee bereichert werden. Denn die an sich für die Betreuung der Schüler ohnehin anwesenden Lehrkräfte könnten sich ja genau so gut um die Eltern kümmern, selbstverständlich einzeln. Wissen wir doch noch aus Lockdown-1-Zeiten im Frühjahr, dass nicht nur Schülern die Decke auf den Kopf fallen kann, sondern auch den Eltern. Bevor also der Papa oder aber auch die Mama beim 24 Stunden-Zusammenpicken zum unerträglichen Störfaktor werden, ab mit ihm oder ihr in die Schule zur pädagogischen Einzelbetreuung. Dort dürfen sie dann malen, Gedichterl auswendig lernen oder Halma spielen. Mensch ärgere dich nicht halte ich hingegen nicht wirklich für geeignet.

Und so ganz nebenbei: Schön wäre es übrigens auch, wenn Kurz & Co die Gastro auch dadurch unterstützen würden, indem sie mjam- und lieferando-abos an die Haushalte, Schulen und Unternehmen verteilen würden, damit die Lokalbesitzer eine etwas höhere Planbarkeit serviert bekommen und nicht Stunde für Stunde darauf warten müssen ob jemand vorbeikommt um ein Paar Würstel oder ein Gulaschsupperl abzuholen.

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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