11.01.2021

Willys Gastro-Wochenrückblick: Zu Besuch im Rehab

Wann wir wieder in ein Restaurant oder ein Kaffeehaus dürfen, steht nicht einmal in den Sternen und schon gar nicht in Aschbachers Dissertation - was für eine Schande. Für alle, die dennoch auswärts den einen oder anderen Tee oder sogar ein Fruchtkonzentrat trinken möchten, hätte ich eine probate Lockdownlösung parat.

Wobei mir sehr wohl bewusst ist, dass die mittlerweile zur überaus angenehmen Gepflogenheit avancierte Abholung oder das Sich-liefern-lassen von Speisen definitiv eine durchaus verlängerungswürdige Alternative geworden ist - egal ob jetzt vom Wirtshaus ums Eck oder vom mondänen Mehrhaubenlokal. Aber darum gehts bei meiner Lockdownlösung nicht, denn es gilt, sich in einem Lokal wieder an einen Tisch setzen zu dürfen und den Cappuccino samt Malakoffschnitte fachmännisch, gegendert fächinfrauisch, serviert zu bekommen.

Wo das geht? In praktisch jedem Rehab-Zentrum zu den erlaubten Besuchszeiten, wie in momentan meinem Fall, im NRZ Rosenhügel. Einzeln zwar, und maximal eine Stunde pro Woche pro Besuchtem, aber es geht. Hiezu bräuchte man nur seine Verwandten-, Freundes- und Bekannten-Liste durchforsten, herausfinden wer wo liegt und sich dem oder der Rekonvaleszenten als Besucher aufdrängen.

Man wird am Eingang zwar Antigengetestet, wartet die paar Minütchen aufs Ergebnis und wenn man negativ ist, steht der Aktion „Rekonvaleszentenbesuch samt gepflegter Nachmittagsjause“ nichts mehr entgegen. Gemeinsam trifft man sich dann in der jeweiligen Cafeteria und genießt ein volles Stündlein lang das zumeist doch überraschend reichhaltige Angebot. Und weil sich der oder die Besuchte über das Besuchtwerden an sich in der Regel sehr freut, wird auch gerne die Zeche übernommen.

Wer die Gelegenheiten nützt und sich mehr oder weniger hauptberuflich aufs Besuchen konzentriert, könnte speisen- und getränkemäßig ziemlich viel Geld sparen. Idealerweise für später, nämlich für jene Zeiten, in denen uns Kurz und Anschober die gesamte Gastro wieder aufzusperren gedenkt, so es dann noch Wirte & Co gibt. Wobei ich sicher bin, dass diejenigen, die diese komischen Zeiten wie diese überleben, perfekt ausgebildete Impfeure sind, denn ohne Nadelstiche wird man hinkünftig nicht reingelassen werden in die guten Stuben. Hiefür wird man nicht umhin können, so genannte Nadelöhre zum Durchschlüpfen vor den - hoffentlich noch nicht eingetreten - Wirtshaustüren zu installieren, in denen dann besagter Akt vollzogen wird.

Was noch sein wird: Wir werden uns alle telefonisch oder E-Mail-mäßig anmelden müssen - in unseren Lieblingslokalen genau so wie in gastrogeführten Schutzhütten hoch droben am Berg oder in den diversen Autobahn-Raststätten auf der Durchreise. Daher werden alsbald Markennamen wie Rosenberger, Aida oder aber auch McDonalds logomäßig von Telefonnummern und E-mail-Adressen ersetzt werden. Weithin sichtbar und beleuchtet. So muss Besucheranlockung!

Von Willy Zwerger
Der renommierte Journalist aus dem Manstein Verlag und Edelfeder des Handelsmagazins CASH schreibt nun auch regelmäßig auf Stammgast.Online zu aktuellen Themen, die unsere Branche bewegen. Durchaus kritisch, hoffentlich diskussionsanregend und immer mit einer großen Prise Humor versehen.
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