01.10.2021

Wintersaison mit Fragezeichen

Es wird eine Wintersaison geben, ist Wifo-Tourismusexperte Oliver Fritz überzeugt. Wie erfolgreich diese sein wird, hängt von vielen Faktoren ab.

Der Wintertourismus unterliegt derzeit unabsehbaren Einflussfaktoren. An erster Stelle nannte Oliver Fritz bei einem Journalistensymposium der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKÖ im Mühltalhof der Familie Rachinger in Neufelden (Oberösterreich) die Entwicklung der Infektionszahlen im In- und Ausland – und die Impfquote. Diese ist aktuelle ein Wettbewerbsnachteil für Österreich. Somit sei „Impfen nicht nur eine persönliche Entscheidung“. Generell ist der Tourismusforscher überzeugt, dass es keinen allgemeinen Lockdown mehr geben wird und damit eine Wintersaison.

Was Zutrittsbeschränkungen bringen 

Die Zutrittsbeschränkungen für Seilbahnen, Hotellerie und Gastronomie – inklusive Après-Ski – hätten widersprüchliche Effekte. Positiv sei etwas, dass sie das Vertrauen in ein sicheres Urlaubserlebnis stärken und damit auch Infektionscluster und in der Folge internationale Reisebeschränkungen verhindern können. Diese hängen ja wie ein Damoklesschwert über dem Tourismus. Eine zentrale Aufgabe sei auch, ein „Ischgl Nummer zwei“ in Österreich unbedingt zu verhindern. 

Zutrittsbeschränken würden gleichzeitig aber den Gästepool verringern und das Urlaubserlebnis beeinträchtigen. Fritz wies ausdrücklich darauf hin, dass Après-Ski nicht nur bei jungen, sondern auch bei älteren Gästen Bedeutung für das Urlaubserlebnis habe. Die geforderte Planungssicherheit ist noch nicht vollständig gegeben, so fehlen etwa noch die gesetzlichen Grundlagen, ob es Wochenkarten für Aufstiegshilfen nur mit 2G geben werde. 

Die geborgten Gäste

Bei der längerfristigen Perspektive für ein Comeback des Tourismus auf Stand des Vorkrisenjahrs vermutet Fritz, dass es „frühestens 2023 wieder so wird“. Mit Einschränkung für den Städtetourismus. Hoffnung macht, dass insgesamt eine ungebrochene Reiselust besteht. Das zeigte sich in den letzten beiden Sommern, viele der vor allem neuen Gäste seien aber nur „geborgte Gäste“ gewesen. Diese hätten ursprünglich andere Reisepläne gehabt und sind laut Untersuchung „ein bisschen unzufriedener gewesen, als die Stammgäste“, so Fritz und nannte etwa die Öffnungszeiten als ein Problemfeld. 

Der Klimawandel berge für Österreich neben den Herausforderungen auch Chancen: Wenn Länder im Süden wegen der Temperaturen nicht mehr zu bereisen sind, können Alpenländer profitieren. Dort werde allerdings die Zahl der Schneetage abnehmen. Dem könne man in den wichtigsten Skiregionen noch länger mit technischen Anlagen entgegenhalten, doch damit werde der Winterurlaub noch teurer, was auf der Nachfrageseite zu spüren sein werde. 

Das Mitarbeiterthema „bleibt uns erhalten“

Der Arbeitskräftemangel sei ein langfristiges Thema. Lohnerhöhungen würden helfen, aber die Inflation antreiben. Für die Rekrutierung ebenso wichtig wären Ganzjahresarbeitsplätze, verkraftbare Arbeitszeiten, leistbares Wohnen und Kinderbetreuung. Dazu auch WKÖ-Spartenobmann Robert Seeber: „Der Betrieb gewinnt, der besser mit seinen Leuten umgeht.“

Die Unternehmen seien gefordert, mehr auf die Mitarbeiter zuzugehen. Etwa durch die Zusammenarbeit von mehreren Hoteliers, um gemeinsam Personal-Unterkünfte zu bauen oder anzumieten. Die Rolle des Staates wäre, dies zu fördern. Missstände in der Lehrlingsausbildung sei auf „die wenigen schwarzen Schafe“ beschränkt, würden der Branche immer wieder vorgehalten. Das sei nicht gut in der Außenwirkung auf potenzielle Mitarbeiter aber auch Gäste. Auch für ihn ist der Schlüssel für eine gute Entwicklung eine hohe Impfquote, um sich als sicheres Urlaubsland präsentieren zu können. „Leider wird das Thema politisch missbraucht“, bedauerte Seeber, der auch ÖVP-Bundesrat ist.

(APA; Thomas Schweighofer)

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