19.10.2021

Wintertourismus stellt sich auf 3G ein

Nach dem coronabedingten Totalausfall der vergangenen Wintersaison will die Tourismusbranche den heurigen Winter mit der "3G-Regel" durchziehen und Urlaub möglich machen. Allerdings ist die Saison "mit großen Unsicherheiten" behaftet.

Die Öffnung der Skigebiete hat bereits begonnen. Mit der 3G-Regel - geimpft, genesen oder getestet - in Hotels und Gastro sowie an den Skiliften, der FFP2-Maskenpflicht in den Gondeln, Après-Ski nach den Bestimmungen der Nachtgastronomie, also "2G" (geimpft oder genesen), und großzügigen Stornobedingungen will man den Urlaubern den Winter schmackhaft machen.

Indes gehen in Österreich die Infektionszahlen derzeit wieder steil nach oben. In der wichtigen Winterdestination Salzburg ist die Corona-Ampel erst kürzlich auf Rot ("sehr hohes Risiko") gesprungen, im noch stärkeren Winterziel Tirol zeigt sie Gelb ("mittleres Risiko"), so auch in Vorarlberg und im Osten Österreichs (inklusive Wien). In den restlichen Bundesländern steht die Ampel auf Orange ("hohes Risiko").

Warten auf die Verordnung

Ungewiss ist derzeit auch noch, wie genau die 3G-Regel beispielsweise bei den Seilbahn- und Liftbetrieben im Detail abgewickelt werden soll - die Vorgaben hat die Regierung vor mehr als vier Wochen grob umrissen, die entsprechende Covid-Maßnahmenverordnung liegt aber noch nicht vor. Fix ist etwa die FFP2-Maskenpflicht in Gondeln, die wie öffentliche Verkehrsmittel behandelt werden und ohne jegliche Kapazitätsbeschränkungen, also voll befüllt, fahren dürfen.

"Uns sind ein bisschen die Hände gebunden - wir wollen 3G machen und stehen in den Startlöchern", erklärte der Obmann des Fachverbands der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und ÖVP-Nationalratsabgeordnete Franz Hörl am Rande der Seilbahntagung in Zell am See. Der Verkauf der Saisonkarten laufe seit 1. Oktober - den Kunden werde kommuniziert, dass sie die 3G-Regel erfüllen müssten. Strittig ist nun etwa, wer deren Einhaltung wann überprüft. "Die Kontrolle kann bei den Liftbetreibern nur über den Verkauf erfolgen", bekräftigte Hörl den Standpunkt der Branche.

Besagte Verordnung für den Wintertourismus verzögert sich, da sie mit den Vorgaben für die geplante 3G-Regel am Arbeitsplatz gekoppelt ist. Letztere ist aber noch mit gesetzlichen Unsicherheiten behaftet. "Man könnte das teilen, das wäre unser Wunsch", so der Sprecher der heimischen Seilbahnwirtschaft. Denn dann könnte der Erlass des Gesundheitsministeriums für die Touristiker früher am Tisch liegen.

Zwischen Optimismus und Realismus

Trotz des Wartens auf die Details der neuen Covid-Maßnahmenverordnung für den Winter sieht Hörl den kommenden Monaten optimistisch entgegen - nicht zuletzt wegen der erfreulichen Bilanz in der abgelaufenen Sommersaison. "Teilweise erreichten Unternehmen im Sommer sogar wieder Vorkrisenniveau und konnten die Ersteintritte gegenüber 2020 wieder um 10,5 Prozent steigern", berichtete der Seilbahnsprecher. Auch ÖW-Chefin Lisa Weddig ist „zuversichtlich, dass wir diesen Schwung (Anm.: aus dem Sommer) in den Winter mitnehmen können." Sicherer Urlaub während der Pandemie sei möglich, das habe Österreich wiederholt bewiesen, zuletzt diesen Sommer. "Die Branche ist gut vorbereitet."

Die aktuelle Buchungslage ist Branchenstimmen zufolge gut. Die Urlauber entschieden sich jedoch weiterhin extrem kurzfristig und erhielten recht großzügige Stornomöglichkeiten, berichtete Oliver Fritz: "Sonst würden sie gar nicht oder noch kurzfristiger buchen", schätzt der Wifo-Experte. "Die Reiselust ist da, aber die Unsicherheit ist groß", brachte er die Lage auf den Punkt. Er geht jedenfalls mit Sicherheit davon aus, dass es einen Lockdown nicht geben wird, nachdem jetzt etwa 65 Prozent geimpft sind. Die Nächtigungen oder auch die Einnahmen der Beherbergungsbetriebe könnten im Vergleich zur Wintersaison vor der Krise jedoch um nur 10 Prozent zurückgehen, aber auch um 30 Prozent. "Das weiß niemand, macht aber einen großen Unterschied", hielt Fritz fest. 

(Birgit Kremser/APA; Red)

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