23.03.2021

Winzer-Doyen Sepp Moser gestorben

Sepp Moser, Winzerlegende aus Rohrendorf bei Krems und Sohn der legendären Dynastie, ist vor wenigen Tagen im Alter von 92 Jahren gestorben.

Ampelografisch konnte ihm niemand etwas vormachen. Ganz egal, an welchem Weinstock man stehen blieb, ein kurzer Blick, ein kurzer Strich über das Blatt: „Chardonnay“, hieß es dann kurz und knapp. Oder „Zweigelt“ oder, oder, oder …

Mit Sepp Moser durch die Weingärten zu streifen, hatte etwas Kontemplatives. Weil es zeigte, wie klein man war, was er einem aber natürlich nie spüren ließ. Ganz im Gegenteil: Zeigte sein Begleiter auch nur den Hauch einer Ahnung leuchteten seine blauen Augen vor Freude. Wieder jemand, der sich für Wein interessierte.

In diesem Sinne war Sepp Moser einer der größten Weinbotschafter unseres Landes. Ausgestattet mit einem unerschöpflichen Wissen, beseelt mit einem unentwegten Streben nach Qualität kultivierte er bereits Chardonnay, als man hierzulande noch nicht wusste, wie man das richtig schreibt. Als Spross der legendären Moser-Dynastie schlug Sepp seinen eigenen Weg ein. Kompromisslos schrieb er als einer der ersten seinen Vornamen aufs Etikett, um nur ja jede Assoziation zu den Sonnenweinen der 50-Jahre zu vermeiden. Sein unerreichtes ampelografisches Wissen ließ er in eine renommierte Rebschule einfließen, er kannte nicht nur jeden Klon, sondern wusste meist auch, wo dieser steht.

In jahrzehntelangem Wirken erhielt er das Atriumhaus, dieses barock anmutende Zeugnis des winzerischen Selbstverständnisses der 1960er-Jahre, als Weingutzentrale aufrecht, arbeitete unermüdlich in seinem Büro im Nordosttrakt. Wer läutete, vernahm zuerst das Bellen seines Hundes bevor es gleich zu einer Degustation ging. Quasi hinter seinem Arbeitszimmer begannen schon die Weingärten. Hier setzte er in visionärer Voraussicht einen Sauvignon blanc, der von jener Finesse zeugte, die Sepp Moser-Weine immer prägten: geradlinig, harmonisch, mustergültig gebauter Körper, reich an Aromen und Fruchtspiel, nie derb und vulgär am Gaumen, sondern schlank, strahlig und animierend für einen nächsten Schluck.

Seit vielen Jahren führt Sohn Niki Moser mit seiner Frau Andrea dieses Erbe nicht nur weiter, sondern eröffnete dem Weingut neue Sphären. An der Zweiteilung der Weingüter in Rohrendorf und Apetlon im Seewinkel wird nicht gerüttelt, die Vinifizierung geschieht in Rohrendorf. Das gesamte Weingut arbeitet biodynamisch, das Atriumhaus ist heute beliebte Eventlocation und beherbergt einen eigenen Biomarkt, der bereits von den Kindern betrieben wird.

Sepp Moser ist 92-jährig am 17. März gestorben und hinterlässt Österreichs Weinlandschaft um ein gewaltiges Stück ärmer.

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