03.03.2021

"Wir denken an die Zukunft"

Gabriela Maria Straka, neuberufen in die Geschäftsleitung der Brau Union Österreich, im Exklusivinterview über die Unterstützung der Gastronomie in schwierigen Zeiten und wie wichtig Nachhaltigkeit für das Unternehmen ist.

stammgast.online: Frau Straka, Gratulation zur neuen Aufgabe. Sie sind in der hundertjährigen Geschichte des Unternehmens (beginnend mit der Braubank AG) die erste Frau in oberster Führungsebene. Das wurde höchste Zeit, oder?
Gabriela Maria Straka: Anders als bei den Rohstoffen für Bier – beim Brauen werden nur die weiblichen Hopfendolden verwendet – kommt es in Führungspositionen nicht auf das Geschlecht an. Dafür schätze ich wie bei den österreichischen Biersorten die Vielfalt in Führungspositionen, eine Vielfalt an Kompetenzen und Leistungen. Dementsprechend sehe ich meine neue Rolle als Bestätigung meines Engagements und meiner Erfolge in den Bereichen Nachhaltigkeit, Bierkultur und Unternehmenskommunikation und als vielfältige Bereicherung des Führungsstils.

Sehen Sie es auch als ihre Aufgabe an, weibliche Karrieren in der Brau Union Österreich und in der Branche generell zu fördern?
Kollegen in ihren Leistungen zu unterstützen und zu fördern, war mir schon immer ein Anliegen, ungeachtet ob der Kollege männlich oder weiblich ist.

Gastronomie und Hotellerie leiden unter vielen Schließtagen und fehlenden Perspektiven. Die Brauereien drängen auf die Öffnung der Betriebe. Mit welchen Argumenten wollen sie mit der Politik in Diskussion treten?
Wir schließen uns dem Ruf des Brauereiverbandes nach ehestmöglicher Öffnung der Gastronomie an, da wir glauben, dass ein kontrolliertes Öffnen mit Masken- und Registrierungspflichten, Abstand und Desinfektion möglich ist. Auch die Akzeptanz der Testungen ist in der Bevölkerung gestiegen, die Österreicher lassen sich testen, um zum Friseur zu gehen und würden sich sicher auch testen lassen, um wieder zu ihrem Wirten gehen zu können. Wichtig ist eine konkrete Perspektive, ein Zeitplan, damit sich die Gastronomen entsprechend auf die Öffnung vorbereiten und wir sie mit Schankservice und Bierlieferungen unterstützen können.

Die Brau Union Österreich hat im letzten Jahr einige Maßnahmen zur Unterstützung der Gastronomie gesetzt. Welche Ideen gibt es für die kommenden Wochen?
Für unsere Gastronomiekunden sind wir auch in herausfordernden Zeiten wie diesen ein starker Partner, der unterstützt. Dies hat die Brau Union Österreich seit Beginn der Coronapandemie auf vielfältige Weise gemacht: Miet- und Pachtverzicht bei Eigengaststätten während Lockdown 1, laufende Verbesserung der Bedienung des Tools und aktuelle Informationen via Online-Serviceportal brauunion.plus, kostenlose Reinigung und Wiederinbetriebnahme aller Schankanlagen im Mai 2020. Selbstverständlich werden die Gastronomiekunden für die Wiedereröffnung ihrer Lokale intensiv von den jeweiligen Gebietsleitern und dem Telefonverkauf betreut.

Welche Rolle spielen die digitalen Angebote?
Eine weitere Erleichterung in dieser intensiven Anlaufphase ist, dass die Gastronomen jederzeit und überall das Online-Serviceportal brauunion.plus nutzen können. Ergänzend zur persönlichen Betreuung einfach und unkompliziert bestellen, mit PC, Laptop, Tablet oder sogar via eigener App am Smartphone. Informationen zu Aktionen, Bestellvorschläge und Erinnerungen, Zugriff auf Rechnungen und Werbematerial wie individuell gestaltete Bierkarten sind zusätzliche Anreize, das Online-Serviceportal zu nutzen. Ein hilfreiches Service in Zeiten wie diesen ist auch die umfassende Information in Zusammenhang mit Covid-19 per Newsletter. Checklisten und Schutzmaßnahmen für die Wiedereröffnung sowie Tipps zu Förderungen und Hilfsfonds sind ebenso gesammelt abrufbar wie konkrete Hilfestellungen für die Online-Auftritte der Lokale.
Darüber hinaus denken wir schon an die Zukunft. Aktuell werden mit der Initiative Amuse Bouche Challenge Lehrlinge in Gastronomie und Hotellerie mit virtuellen Kursen in ihrer Ausbildung unterstützt, um lockdownbedingte Defizite auszugleichen, damit die Branche auch künftig auf gut ausgebildete Fachkräfte zählen kann.

Die Gastronomie ist immer auch Träger und Vermittler von Bierkultur. Braucht es Maßnahmen, um diese nach dem Restart wieder zu fördern?
Bier frisch gezapft vom Fass ist ein Genuss, den nur die Gastronomie bieten kann und auf den sich alle Bierliebhaber schon wieder sehnlichst freuen. Zwei Drittel der Österreicher (67 %) legen laut aktuellem Bierkulturbericht beim Bierkonsum in der Gastronomie Wert auf ein perfekt gezapftes Bier. Wichtig ist, dass die Österreicherinnen und Österreicher ein sicheres Gefühl beim Gastronomiebesuch haben und beste Bier- und Zapfqualität vorfinden.

Die Schanktechnik gehört rechtzeitig vor dem Wiederstart gewartet. Wenn es dann so weit ist, wird der Andrang auf diese Dienstleistung groß sein. Wie werden Sie die Gastronomie bei dieser Herausforderung unterstützen?
Für beinahe die gesamte österreichische Bevölkerung (79 %) ist die Schankhygiene, eine saubere Zapfanlage wichtig, dies geht aus der repräsentativen Studie des aktuellen Bierkulturberichtes hervor. Dass dies auch nach einer langen Schließung gewährleistet ist, hat die Brau Union Österreich in der Unterstützung ihrer Gastronomiekunden im ganzen Land bereits im Mai 2020 bewiesen. Sobald es konkrete Pläne für ein Öffnen der Gastronomie gibt, wird auf die Erfahrungen aus dem Frühling letzten Jahres zurückgegriffen und mit der Wartung der Schankanlagen gestartet.

Mit den Themen Nachhaltigkeit haben Sie in den vergangenen Jahren viel Initiative gezeigt und Erfolge gefeiert. Sehen Sie mit Ihrer Besetzung auch ein deutliches Zeichen dafür, dass dieser Aspekt immer wichtiger wird?
Nachhaltigkeit war und ist in der Brau Union Österreich schon lange ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie. Bier ist ein natürliches Getränk und kann nur so gut sein wie die Rohstoffe, die wir zum überwiegenden Teil aus Österreich verwenden. Daher ist uns ein nachhaltiger und schonender Verbrauch der Ressourcen wichtig. Darauf achten wir angefangen bei den Rohstoffen über die Produktion, den Brauprozess bis hin zur Auslieferung an die Kunden. Wir investieren laufend in alle unsere Standorte, um unserem Anspruch an eine nachhaltige Bierproduktion und den Bedingungen des Marktes gerecht zu werden. Ständige Optimierungen sorgen für Einsparung von wertvollen Ressourcen wie Wasser und Energie sowie die Reduzierung von Abfall und Abwasser. Ein deutliches Zeichen, dass Nachhaltigkeit immer wichtiger wird, sehen wir aber auch bei den Konsumenten. Laut aktuellem Bierkulturbericht ist zwei Drittel der Österreicher eine nachhaltige und CO2-neutrale Produktion von Bier (67 %), wassersparende Methoden bei der Herstellung (66 %) und die Nutzung alternativer Energieformen (63 %) wichtig.

In welchen dieser Bereiche wird sich das Unternehmen in den kommenden Jahren noch weiterentwickeln? Haben Sie schon Pläne in der Schublade?
Die Weiterentwicklung findet in allen Bereichen statt. Brauprozesse weisen einen hohen Energie- und Wärmebedarf auf. Es gibt österreichweit bereits zwei Projekte neben den Brauereien Puntigam und Schwechat, wo die Abwärme des Brauprozesses zum Heizen von Wohnungen genutzt wird. An den Standorten selbst wollen wir, wie die Grünen Brauereien Göss und Schladming vorzeigen, möglichst CO2-neutral produzieren und wo möglich auch die Kraft der Sonne für das Brauen nutzen. Wie in Villach werden heuer in Graz Puntigam und Wieselburg Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung errichtet.

Sie sind auch Diplom-Biersommelière: Welches ist das richtige Bier gegen die persönliche Krisenstimmung? Ein Tipp.
Das leichte Lagerbier SOL vertreibt mit mexikanischer Sonne und Lebensfreude Krisenstimmung. Gut und immer besser kann es auch mit Gösser gehen, ich empfehle die Sorten Spezial, Gold oder Stiftsbräu für besten österreichischen Biergenuss.

Danke für das Gespräch.
 

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