29.08.2020

"Wir sind noch lange nicht über den Berg"

Die Coronakrise trifft vor allem die Stadt- und Tagungshotellerie, in den Seengebieten und am Land brummte vielerorts der Tourismus. Branchenvertreter fordern weitere punktuelle Maßnahmen zur Krisenbekämpfung.

Die Juli-Nächtigungszahlen (Stammgast.Online berichtete hier) zeigen die deutliche Schere zwischen Stadt und Land. Einige Ferienregionen in Österreich hätten bereits vor Veröffentlichung der diesjährigen Juli-Zahlen höhere Nächtigungszahlen als 2019 gemeldet, so WKÖ-Hotellerie-Obfrau Susanne Kraus-Winkler. Allerdings gab es durch die Corona-bedingt kurze Sommervorsaison insgesamt um 70 % weniger Nächtigungen als im Vorjahr.

Und die Stadt- und Tagungshotellerie steckt „mit wenigen Ausnahmen noch immer in einer extrem schwierigen Situation“. In Wien brach im Juli die Zahl der Nächtigungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 73,3 Prozent ein und in der Stadt Salzburg um 49,5 Prozent. 

Für die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) sind die guten Buchungszahlen in den Seengebieten und in den ländlichen Gegenden ein positives Signal, ganz anders stellt sich die Situation in den Städten dar. „Teilweise liegen wir wirklich stark über den Erwartungen und niemand freut sich darüber mehr als wir. Aber wir fahren weiter auf Sicht, die Prognosen sind extrem kurzfristig. Wir sind noch lange nicht über den Berg“, so ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer. „31 Mio. verlorene Gästenächte holt keiner auf. Im Gegenteil, wir müssen weiter mit schwankenden, regional sinkenden Einnahmen rechnen“, sagte Reitterer. 

Maßnahmen adaptieren

Bisher wurden in den Hauptsommermonaten Juli und August jeweils rund 25 bis 26 % der Jahresnächtigungen in Österreich gemacht. Eine gültige Aussage zum Sommerergebnis 2020 wird daher auch erst mit den August-Zahlen möglich sein.

Bis man wieder in gewohnten Bahnen denken und arbeiten kann, brauche es noch einige Anstrengungen. Positiv sticht hervor, dass die Nachfrage im Juli über den Prognosen liegt und die Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung greifen. Für die am stärksten betroffenen Betriebe gibt es zum Beispiel die Verlängerung des Fixkostenzuschusses und mit der Einbeziehung der AfA gelang geforderte Ausgleich für eigentümergeführte Betriebe im Vergleich zu den Betreiber geführten Pacht-/Mietbetrieben. Diese und andere Instrumente zur Krisenbewältigung führen zu mehr Sicherheit in den Betrieben.

Herbst und Winter werde mit mehr Aufenthalten in Innenräumen wohl zur Herausforderung: „Mehr Sicherheit und Planbarkeit würden da helfen, von längerer Kurzarbeit für den Stadt- und Kongresstourismus und der 5%-USt über den Jahreswechsel hinaus und Corona-Tests für Mitarbeiter und Gäste, solange sie nötig sind“, hofft die Branchenvertreterin auf weiter Unterstützungsschritte. Wichtig wäre außerdem Klarheit für Veranstaltungen in Innenräumen und im Freien, etwa Weihnachtsmärkte, für den Skitourismus generell und eine international abgestimmte Vorwärtsstrategie für die Luftfahrt.

WKÖ-Spartenobfrau Susanne Kraus-Winkler ergänzt: „Wir müssen uns jetzt, wo es unterschiedliche Geschwindigkeiten und unsichere Reisefreiheiten auf Grund unterschiedlicher Fallzahlenentwicklungen in Europa geben wird, weiter ganz intensiv mit den aktuellen Entwicklungen und Prognosen für die Hotellerie auseinandersetzen, um für jeden einzelnen Bereich die richtigen Maßnahmen zeitgerecht aufzeigen und umsetzen zu können.“ 

(APA/Red)

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