01.10.2020

Wirte registrieren verhaltene Gäste

Die Gäste der Wiener Gastronomie haben sich schnell an die neuen Registrierungsregeln gewöhnt, wie ein Augenschein von Stammgast.Online zeigt – leider nicht alle.

Der Stadtwirt in der Unteren Viaduktgasse ist an diesem Donnerstagmittag gut gefüllt. Kaum Platz genommen, überreicht der freundliche Kellner die Speisekarten und meint: „In der Karte ist ein QR-Code für die Gästeregistrierung. Kennt Ihr euch aus damit? Wenn nicht, bringe ich euch ein Formular zum Ausfüllen.“ So einfach geht’s und auch die Kontrolle, ob man sich denn nun tatsächlich elektronisch registriert hat, übernimmt der freundliche Mitarbeiter gewissenhaft.

Skeptische Stammgäste

Harald Brunner, Patron des Restaurants Das Spittelberg, setzt dann doch lieber auf das Formular aus Papier, das am Tisch von seinen Gästen ausgefüllt werden muss. „Eine digitale Lösung kommt für mich nicht in Frage, zumal viele Gäste argwöhnisch sind und befürchten, irgendetwas geschickt zu bekommen“, erklärt Brunner. Die Unterlagen bewahrt man über die notwenige Frist auf und entsorgt sie dann fachgerecht. Einige Stammgäste hätten ihm aber schon gesagt, dass sie die nächste Zeit nicht mehr kommen wollen, weil sie das mit der Registrierung für Schikane halten und ihre Daten nicht preisgeben wollen. „Wir gehen damit um, weil wir müssen, aber ich hoffe, dass das auch wieder mal ein Ende hat!“

Einige Kilometer und Bezirke weiter im Donaupark ragt eines der Wahrzeichen der Stadt in den Himmel, das beliebte Ausflugsziel Donauturm. Das Donaubräu bietet den hungrigen Gästen österreichische Küche und ein eigens gebrautes Turmbier. Grundsätzlich wird die Gästeregistrierung von den Stammgästen gut angenommen, nach erst drei Tagen in Betrieb fehle aber die längerfristige Erfahrung, verrät ein Sprecher des Donaubräus gegenüber Stammgast.Online. Deutliche Auswirkungen hatten jedoch die die neuerlichen Maßnahmenverschärfungen in der Gastronomie und im Tourismus wie zum Beispiel die Maximalanzahl von zehn Personen pro Tisch. „Das hat zu massiven Stornierungen geführt und wird die gesamte Branche wieder vor weitere erhebliche Herausforderungen stellen“, heißt es beim Donaubräu.

Man wird sich daran gewöhnen

Zurück in der Stadtmitte in Hannahs Speisesaal, ein nach Eigenbeschreibung Restaurant der etwas anderen Art: ein Betriebsrestaurant, das gerne als Kantine bezeichnet wird, mit einem guten und flotten Mittagstisch zu fairen Preisen. Reservierungen gibt es hier üblicherweise nur für größere Gruppen, die Tagesmeetings für den Lunch unterbrechen. „Nun, das findet natürlich nicht statt. Hier ist Ebbe. Totale Ebbe“, erzählt Gastgeberin Hannah Neunteufel.

Wie von ihr erwartet, wird das Registrieren von Tag zu Tag „leichter“, die mentale Hürde reduziert sich. Neunteufel: „Montags waren weniger Gäste als sonst, von denen die kamen waren rund 30 Prozent überrascht und widerborstig. Ab Mittwoch beginnt sich die Gästefrequenz und Kooperation zu normalisieren.“ 

Das Publikum im Hannahs Speisesaal zieht großteils die Zettelwirtschaft vor, da man offenbar nicht gerne Apps runterlädt (nicht einmal einen QR-Code-Reader) und seine Daten weitergibt. Dabei haben aber sicherlich 80 Prozent der Gäste eine JÖ-Karte oder sind auf Social Media aktiv, kann Neunteufel diese Einstellung nicht nachvollziehen. Zumal man bei ihr die gesammelten Daten ausschließlich auf einem eigenen Sicherheitsserver speichert und diese nicht außer Haus gibt. 

Der Registrierungsstempel im Hosensack

Die Gastronomin empfiehlt, sich mit der digitalen Registrierung, vor allem bei kleinen verantwortungsvollen Gastro-Unternehmen, das Leben zu erleichtern – mit „autoausfüllen“ ist der Spuk eine Sache von wenigen Sekunden. „Ich bin zuversichtlich, dass das noch wird. Auf Facebook habe ich aber einen ‚Persönlichen Registrierungsstempel‘ gesehen“, das sei eine großartige Idee, sagt Neunteufel, „denn den hat man im Hosensack und klickklack ist alles eingetragen und der Schrecken reduziert sich auf zwei Sekunden. Gescheit und spaßig noch dazu, denn das Lachen dürfen wir tunlichst nicht verlernen!“ 

(Autoren: Thomas Schweighofer / Axel Schimmel)

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