01.08.2019

Wünsche der Branche an die nächste Regierung

Eine aktuelle WKÖ-market-Umfrage unter Österreichs Hotellerie- und Gastronomie-Betrieben zeigt eine optimistische Stimmung, aber auch hohe Erwartungen an nächste Regierung. Die größte Herausforderung bleiben die (fehlenden) Fachkräfte.

Rund 9 von 10 Hotellerie- und Gastronomiebetrieben sehen die Zukunft Ihres Unternehmens positiv bzw. eher positiv, etwa ein Drittle sind sehr zuversichtlich. Die WKO-Obleute Susanne Kraus-Winkler (Fachgruppe Hotellerie) und Mario Pulker (Fachgruppe Gastronomie) sind sich einig: „Gerade angesichts der eher verhaltenen Konjunkturaussichten, ist dieses Ergebnis bemerkenswert und beweist, dass das Hotel- und Gastgewerbe – trotz vieler Herausforderungen – sehr gut für die Zukunft aufgestellt ist.“ Das spiegelt sich auch in der Einschätzung der befragten Betriebe zur laufenden Sommersaison wider: demnach läuft für 83 % aller Betriebe quer durch Österreich die aktuelle Sommersaison besser oder zumindest gleich gut wie im Vorjahr.

Von der zukünftigen Regierung erwarte man sich Erleichterungen bei Steuern und Bürokratie. „Rund 30% der befragten Betriebe fordern eine Lohnnebenkostensenkung, die ja schon oft versprochen, bisher aber nie umgesetzt wurde. Mit so einer Maßnahme würde man Arbeit und Leistung attraktiver machen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken“, zeigt sich Kraus-Winkler überzeugt und fordert auch eine rasche Anpassung der Gebäudeabschreibung an die tatsächliche Nutzungsdauer von derzeit 40 auf 33 Jahre.

Und bei der „überbordenden Bürokratie“, die die Betriebe belasten, seien spürbare Entlastungen dringend nötig; etwa ein abgestimmtes Verfahren, um unterschiedliche Auflagen von unterschiedlichen Behörden zu vermeiden.

Mitarbeiter dringend gesucht

Als momentan größte Herausforderung wird von den Betrieben – wenig überraschend - das Finden bzw. Halten geeigneter Mitarbeiter genannt. Rund 40 % der befragten Unternehmen sehen hier Handlungsbedarf. „Die künftige Regierung – wie auch immer sie aussieht – muss hier rasch aktiv werden und eine umfassende Fachkräfteoffensive starten“, bringt es Pulker auf den Punkt.

„Wir sind hier bereits aktiv geworden und haben mit der Modernisierung unserer Lehrberufe Koch, Restaurantfachmann und Gastronomiefachmann bereits einen ersten wichtigen Schritt getan, um die Zukunftskompetenzen unserer Fachkräfte sicherzustellen und das Image der Lehre zu verbessern“, berichtet Hotellerie-Obfrau Kraus-Winkler, die auch auf eine rasche Verordnung der bereits überarbeiteten Lehrberufe – wie Hotelkaufmann und Hotel- und Gastgewerbeassistent – pocht.

„Auch eine unserer langjährigen Forderungen, eine einfache und unbürokratische Beschäftigungsmöglichkeit für Aushilfskräfte, würde die Situation für viele Betriebe entschärfen. Wie die Umfrage zeigt, ist das auch ein vordringliches Thema für unsere Betriebe“, kommentiert Pulker. Die derzeitige Regelung sei wegen der Beschränkung auf maximal 18 Tage pro Jahr, sowohl auf Seiten des Dienstgebers wie auch auf Seiten des Dienstnehmers, in der Praxis nicht umsetzbar und werde daher auch nicht angenommen.

Online-Plattformen: Faire Wettbewerbsbedingungen gefordert

Anders als in der Gastronomie, wo nur rund ein Drittel der Betriebe Online-Tools für Bestellungen und Reservierungen nutzen und Obmann Pulker noch Potenzial ortet, nutzen in der Hotellerie 79% aller Betriebe Buchungsportale. Für diese Unternehmen werden laut Umfrage bereits knapp 40% ihrer Buchungen über die Portale getätigt. „Der hohe Anteil an Buchungen über Plattformen und die Tatsache, dass drei große Player gemeinsam 92% Marktanteil haben, macht die Notwendigkeit fairer Wettbewerbsbedingungen einmal mehr deutlich. Diesem Ziel sind wir mit der P2B – Plattform to Business – Verordnung nähergekommen“, betont Kraus-Winkler. Auch die Aufzeichnungs- und Haftungspflichten für Plattformen, die Ende September in Österreich im Nationalrat beschlossen werden sollen, bewertet Kraus-Winkler als wichtige Maßnahme.

Generelles Rauchverbot: Betriebe befürchten Anrainerbeschwerden

Wie die Umfrage zeigt, sieht rund die Hälfte der Gastronomie-Betriebe durch die Gesetzesänderung beim Rauchverbot keinerlei Auswirkungen, da sie bereits auf Nichtraucher umgestellt haben. Immerhin fast ein Fünftel der Betriebe hat nach Inkrafttreten des generellen Rauchverbots am 1.11.2019 aber ein Problem, da sie über keine Rauchmöglichkeit im Freien, wie bspw. einen Gastgarten oder eine Terrasse, verfügen und rauchende Gäste vor das Lokal schicken müssen. Viele dieser Betriebe rechnen daher mit verstärkten Anrainerbeschwerden.

Rund ein Zehntel der befragten Betriebe hat nach dem 1. Mai 2018 noch in den Nichtraucherschutz investiert. Ganz besonders betroffen sind hier Nachtlokale, Clubs und Shisha-Bars. Letzteren wird durch das Rauchverbot de facto die Geschäftsgrundlage entzogen. „Es kann nicht sein, dass Betriebe hier am Ende im Regen stehen gelassen werden. Wir setzen uns weiterhin konsequent für entsprechende Kompensationsmaßnahmen für betroffene Betriebe ein“, so Pulker.

 

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