09.12.2020

„Zulieferer kämpfen ums nackte Überleben“

Die Schließung von Gastronomie und Hotellerie über die Feiertage sind für Produzenten und Zulieferbetriebe teils existenzbedrohend. Hilfen werden gefordert.

„Für die direkten und indirekten Gastronomie-Zulieferbetriebe – von Lebensmittelgroßhändlern über Weinhändler bis hin zu Obst- und Gemüsehändlern – ist der Wegfall des gesamten Weihnachtsgeschäftes eine wirtschaftliche Katastrophe“, sagt Gerhard Wohlmuth, Bundesobmann des Agrarhandels und Vorsitzender des Weinhandels in der WKÖ. Die Branche kämpft seit Beginn der zweiten Gastro-Schließung Anfang November mit massiven Umsatzeinbußen von bis zu 90 Prozent. Viele Zulieferer hätten bereits gravierende Liquiditätsprobleme und stehen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. 

In die gleiche Kerbe schlägt Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie. Nicht alle Lebensmittelhersteller hätten alternative Absatzschienen, etwa über den Lebensmitteleinzelhandel oder den Export, welche die Verluste nachhaltig ausgleichen könnten. Die Gastronomiesparte ist oft ein ganz zentrales wirtschaftliches Standbein. Die Zahlen für Sekt verdeutlichen die Situation: In der traditionell umsatzstärksten Zeit zwischen Mitte Oktober und Ende Dezember werden 40 bis 45 Prozent des Gesamtjahresumsatzes erzielt. Durch den Wegfall der Ballsaison, des Vorweihnachts- und Silvestergeschäfts fällt somit fast die gesamte Hauptsaison weg. Zudem bleiben die Sekthersteller auch auf bereits erzeugter Ware sitzen. „Den Betrieben aus der Lebensmittelindustrie muss jetzt geholfen werden", unterstreicht Koßdorff.

„Die Bundesregierung ist jetzt dringend gefordert, das von ihr bereits versprochene Umsatzersatzmodell für direkte und indirekte Zulieferbetriebe zügig vorzulegen und den betroffenen Betrieben damit Rechtssicherheit und eine wirtschaftliche Überlebenschance zu geben“, unterstreicht auch Christian Prauchner, Bundesobmann des Lebensmittelhandels in der WKÖ. „Zeit ist jetzt ein kritischer Faktor, denn viele Zulieferer kämpfen aktuell um das nackte Überleben“, so Prauchner, der beklagt, dass die Gastronomie per Umsatzersatz unterstützt wird, Zulieferbetriebe jedoch nicht.

Brauereien klagen über Dauerbelastung

Auch Österreichs Brauwirtschaft ist vom verlängerten Lockdown der Gastronomie und Hotellerie bis Anfang Jänner 2021 massiv betroffen. Sigi Menz, Obmann des Verbandes der Brauereien Österreichs, fordert daher einmal mehr ein Aussetzen der Biersteuer für das erste Halbjahr 2021, „wenn wir nicht in Kauf nehmen wollen, dass in den nächsten Monaten viele Brauereien in Österreich von der Bildfläche verschwinden“. 
 

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