22.05.2021

Zwischen gestalten und erhalten

Bauen im Bestand ist eine Herausforderung, besonders dann, wenn es um Hotels und Gastronomiebetriebe in den historischen Gebäuden der Wiener Innenstadt geht. Was dabei dennoch den Reiz ausmacht, was die Wiener Hotelarchitektur können muss und welche Rolle Green Buildings spielen erzählen Philipp Janes und Bernhard Rapf, Geschäftsführer von A2K Architekten, im Interview.

Hotels und Gastronomiebetriebe prägen Ihr Portfolio stark. Aufgrund von Covid-19 mussten diese jedoch sehr lange geschlossen halten. Hat sich das auch auf die Planungs- und Bauarbeiten ausgewirkt?
Philipp Janes: Ja, sowohl positiv, als auch negativ. Es hat natürlich erst eine kurze Schockstarre gegeben, wo die Betriebe einfach nicht wussten, was sie zu erwarten haben, aber davon haben sich Viele zum Glück schnell wieder erholt und haben die Zeit genutzt, um neue Projekte zu initiieren oder bestehende Gebäude zu renovieren. Auf der anderen Seite gab es aber auch Projekte, wo wir in der Entwurfsphase waren, die nun aber on hold sind und abgewartet werden muss, ob sich der Markt wieder soweit erholt, dass die angedachte Investition auch wieder erwirtschaftet werden kann. 

Sie sind hauptsächlich in Wien tätig sind und arbeiten daher sehr stark im Bestand und mit alten, historischen Gebäuden. Schränkt Sie das in der Planung ein?
Janes: Ein ehrliches „Ja“. Aber es ist auch ein USP, den wir haben. Man braucht ein gewisses Know-how, muss viele Anforderungen erfüllen und hat dadurch auch einen Mehraufwand. Man muss eng mit dem Bundesdenkmalamt zusammenarbeiten und man braucht viele Bewilligungen. Aber wenn man eine gute Lage in Wien, vor allem in innerstädtischen Bereich will, kommt man nicht drum herum – und davon sind nun einmal stark Hotels und Gastronomiebetriebe betroffen. Aktuell planen wir das Rosewood Hotel am Graben, eine der größten Innenstadtbaustellen, die es im Moment gibt. Da hatte das Denkmalamt viel mitzusprechen. 

Trotz dieser Komplikationen reizt Sie das Bauen im Bestand mehr als ein Neubau?
Bernhard Rapf: Eigentlich schon. Einfach weil es spannend ist und bleibt. Ich persönlich finde es faszinierend, wenn aus etwas Altem etwas Neues entsteht. 

Wie spielen Ihre eigenen Visionen, Vorstellungen des Auftraggebers und Bestandsvorgaben zusammen?
Rapf: Normalerweise gibt es ein Pflichtheft vom Auftraggeber, das die Anforderungen schon grob umreißt – sei es die Anzahl der Betten, Zimmergrößen oder Ähnliches. Und das versuchen wir im Bestand umzusetzen. Der Bauherr muss aber bis zum Schluss flexibel bleiben, es gibt in einem alten Gebäude immer wieder Überraschungen. Wir selbst nehmen uns mit Eigenheiten zurück. Das Endprodukt steht im Vordergrund. 

Ein Punkt, der die Bauweise der Hotels sicher auch beeinflussen wird, ist der Green-Deal der EU, der besagt, dass alle Gebäude bis 2050 klimaneutral gebaut werden müssen. Beeinflusst dieser bereits die Branche?
Janes: Noch viel zu wenig. Wobei einige große Konzerne diese neugesteckten Ziele bereits aufnehmen und ihre Projekte als Green Buildings realisieren wollen. Bei unseren Projekten hat man sich, offen gesprochen, noch sehr wenig mit dem Thema auseinandergesetzt, wobei der Planungsbeginn war hier häufig schon vor einigen Jahren, wo das Thema noch nicht so präsent war. Nur bei einem aktuellen Projekt, wo wir ein Hotel in ein Wohngebäude umplanen, will der Bauherr beziehungsweise die Vorgabe des Konzerns ein Green Building.

Was bedeutet das für die Planung?
Rapf: Dass die Haustechnik noch ausgeklügelter werden und man den Spagat zwischen zum Beispiel Temperaturanforderungen und genügend erneuerbaren Energien meisten muss. Das braucht natürlich auch flächenmäßig noch mehr Platz und man muss über die junge Technologie noch viel lernen. Noch ist sie nicht state of the art, aber in ein paar Jahren gehört sie zur Tagesordnung. Was die Materialien angeht, haben wir bereits schon sehr hohe Standards. Der Lebenszyklus wird aber noch bedeutender. Bei der Wahl der Baustoffe muss man bereits darauf achten, wie sie später bei Umbau oder Abbruch ressourcenschonend in den Kreislauf zurückgenommen werden können. 

Das ist also noch ein bisschen Zukunftsmusik. Welche Trends lassen sich aber aktuell in den Wiener Hotels erkennen?
Janes: In der Haustechnik hat sich einiges getan. Beim Rosewood zum Beispiel haben wir eine immense Anzahl von Haustechnikgeschoßen und -flächen eingeplant, die eine hohe Klimatisierung schaffen. Außerdem geht es weg von konventionellen 3- und 4-Stern-Hotels, hin zu Budget-Hotels oder High-End-Projekten. Im Design ist alles ein bisschen opulenter geworden. Bei den von uns geplanten Hotels wie dem Sans Souci in der Burggasse oder auch dem Rosewood, spielt das Lokalkolorit, der Standort Wien mit seiner Geschichte eine große Rolle. Beim Hineingehen muss schon gespürt werden, ich bin in Wien. Kombiniert wird das mit den internationalen Vorgaben. Also gelebte Tradition, ohne auf die gewohnten, internatinalen Standards zu verzichten. 

Beim Sans Souci ging es ja nicht nur um das Hotel, sie haben dazu auch Wohnungen und einen Supermarkt geplant. Multifunktionalität ist in der Städteplanung ein großes Thema. Gilt das demnach auch für den Bereich der Hospitality? 
Rapf: Ich denke schon. Es gibt immer wieder Projekte, wo in den Hotels Service Departments privat genutzt werden. Das ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für das Projekt. Andererseits werden Gebäude heute so konzipiert, dass man sie auch umnutzen kann; aus Hotels werden Büros, wo heute das Rosewood hinkommt, war früher eine Bank. 

Braucht es diese multifunktionalen Hotels für den Tourismus in Wien?
Janes: Nicht zwingend. Natürlich ist es für die Touristen interessant, wenn im Haus noch die Top-Juweliere angesiedelt sind. Aber gerade in der Wiener Innenstadt erreicht man alles fußläufig – und die Touristen wollen auch die Stadt erkunden – nicht wie in Dubai, wo man gleich die Mall aufsucht. 

Das Sans Souci und das Rosewood haben sich ja bereits genannt. Haben Sie aktuell sonst noch ein Leuchtturmprojekt?
Janes: Das Sans Souci war unser erstes 5-Sterne-Hotel in Wien uns besonders spannend, weil es in sehr kurzer Zeit entstanden ist. Das Rosewood ist unser Flaggschiff. Neben dem Plachutta in Hietzing und der Zusammenarbeit mit der Konditorei Oberlaa sind wir auch auf das Parémi in der Bäckerstraße – das allerdings nicht besonders groß ist – sehr stolz. 

Es darf also auch einmal kleiner sein?
Rapf: Absolut. Wir machen hier gerade eine Erweiterung, da geht es um gerade einmal zwanzig Quadratmeter für eine Schokoladenproduktion vor Ort mit Verkauf. Da muss man sich jede Ecke anschauen und sich Zeit nehmen, aber das ist spannend. 

Gibt es ein Hotel oder einen Gastronomiebetrieb, wo es Sie sehr reizen würde, etwas Neues daraus zu machen?
Janes: Ich würde gerne eine Trzesniewski-Filiale machen. 
Rapf: Ich würde das Café Museum umbauen – so wie es früher war (lacht).

Würde es Sie auch reizen, etwas im alpinen Raum zu planen?
Janes: Mit einem Partnerbüro sehr gerne.
Rapf: Mich würde das auch sehr reizen. Meiner Meinung schaut alles immer gleich aus mit diesem Alpin-Look und dem künstlich gealterten Holz. Da würde ich gerne frischen Wind reinbringen und einfach mal etwas anderes machen. 

Herr Rapf, Herr Janes, vielen Dank für das Gespräch.

(Autorin: Christina Grießer)

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